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PRO: EUROBONDSGastkommentar
Robert von Heusinger
Nicht unsere Währung

Bei einem Blick auf die großen Währungen ist es unverständlich, warum gerade der Euro in der Krise steckt. Der wichtigste Konkurrent nämlich, der US-Dollar, steht deutlich schlechter da. Die Staatsverschuldung ist in Euroland geringer, die Neuverschuldung nur halb so hoch. Und auch um die Wettbewerbsfähigkeit ist es diesseits des Atlantiks besser bestellt. Eigentlich müsste es also für global agierende Investor sicherer sein, das Geld in Euro-Anleihen anzulegen.

Warum ist es das nicht? Weil der Euro nicht unsere Währung ist. Der Euro ist für die 16 Mitgliedstaaten eine Fremdwährung, in der sie um Geld betteln müssen. Der große Unterschied zum Dollar: Die Mitgliedstaaten können in der Krise kein Geld drucken, um ihre Schulden zu bedienen. Damit ähneln sie Entwicklungsländern. Der alte Kontinent ist der Irrationalität des heißen Geldes ausgeliefert.

Darum braucht Euroland die Euro-Anleihe. Erst dann wird der Euro dem Dollar ebenbürtig, enden die Spekulationen. Eine Währung, eine gemeinsame Geldpolitik, eine gemeinsame Staatsanleihe.

Klar hieße das, die Transferunion festzuschreiben, die politische Union durch die Hintertür zu schaffen. Das Lieblingsargument der Zauderer, die Deutschen müssten dann höhere Zinsen zahlen, zieht nicht. Zum einen führt die höhere Liquidität der gemeinsamen Anleihen zu niedrigeren Zinsen. Zum anderen belegen die Mini-Zinsen in Japan trotz einer Staatsverschuldung von rund 200 Prozent, dass bei großen Währungsräumen die Bonität eine viel geringere Rolle spielt als bei kleinen.

Höchste Zeit also, den Euro zu unserer Währung zu machen! Höchste Zeit, den Einfluss der Finanzmärkte zurück zu drängen und mit der politischen Union den Wohlstand des Kontinents zu sichern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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