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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Schwedische Wolfsjagd

Woher die Redensart "mit Kanonen auf Spatzen schießen" usprünglich stammt, ist zwar unklar, aber jeder hat eine recht gute Vorstellung, was damit gemeint ist. Was sich derzeit in Schwedens Wäldern abspielt, erinnert auf jeden Fall sehr stark an das bekannte Sprichwort. Das skandinavische Land hat die Jagd auf seine Wölfe freigegeben, um die Population auf insgesamt 210 Tiere zu begrenzen. Seit Mitte Januar dürfen 20 Wölfe geschossen werden. Um diese Quote zu erfüllen, haben sich rund 6.700 Jäger - in Worten: sechstausendsiebenhundert - von den Behörden eine entsprechende Lizenz ausstellen lassen.

Schwedens Wölfe werden es zwar gar nicht witzig finden, aber die bildliche Vorstellung, wie 6.700 Jäger mit der Flinte im Anschlag 20 Wölfen nachstellen, mutet schon reichlich skuril an. Betrachtet man die Angelegenheit rein statistisch, dann wird es noch absurder: 0,003 Prozent eines geschossenen Wolfes kann jeder Jäger als Trophäe mit nach Hause nehmen. Sonderlich beeindrucken dürften die ausgestopften Überreste über dem Kamin wohl niemanden. Oder anders ausgedrückt: Jeder zum Abschuss freigegebene Wolf wird von 335 Kugeln zerfetzt - zumindest wenn jeder Jäger trifft. Selbst der begabteste Kürschner wird aus dem traurigen Rest keinen Pelzmantel zusammenflicken können. Nein, witzig ist das nicht.

Auch in Brüssel konnte man darüber gar nicht lachen. Die Europäische Kommission hat nun rechtliche Schritte gegen Schweden eingeleitet. Die Jagd auf den vom Aussterben bedrohten Wolf verstoße gegen EU-Naturschutzvorschriften. Für die Wölfe kommt dies zu spät. Bereits am ersten Wochende wurden 15 Tiere erlegt.

Vielleicht ist das blutige Treiben ja die Geburtsstunde einer neuen Redensart: Das "Schießen mit Kanonen auf Spatzen" heißt in Zukunft lapidar "schwedische Wolfsjagd".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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