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Jörg Müller-Brandes
Im Zeichen der Versöhnung

AUSSTELLUNG Die Geschichte der Karpatendeutschen

Völlig unerwartet traf Monika Jantsch im Bundestag ihre Großmutter. Jantsch, die das Sekretariat des Familienausschusses leitet, hatte dort zufällig ein altes Gemälde wieder entdeckt. "Meine Mutter erinnert sich noch, wie der Maler damals meine Oma in ihrer Tracht verewigt hat", erzählt sie. Das Bild ist Teil der am vergangenen Mittwoch eröffneten Ausstellung "Die Karpatendeutschen" im Paul-Löbe-Haus, die Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gleichzeitig zum Anlass nahm, den slowakischen Parlamentspräsidenten Richard Sulik bei seinem Antrittsbesuch zu begrüßen und an die Erklärung des slowakischen Parlaments vor 20 Jahren zu erinnern. Dieses hatte am 12. Februar 1991 das Dogma der kollektiven deutschen Schuld verurteilt und sein Bedauern über die Vetreibung der Deutschen zum Ausdruck gebracht.

Die Nachfahren der deutschen Siedler, die schon im 12. Jahrhundert begonnen hatten, sich in der Slowakei niederzulassen, waren nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit den Sudetendeutschen in Tschechien und mit den Ungarn in der Südslowakei aufgrund des Beneš-Dekrets Nr. 33 in Sammellagern interniert und in den Jahren 1946 und 1947 als Folge des Potsdamer Abkommens aus der Slowakei vertrieben worden.

»Großer Respekt«

Vor diesem Hintergrund betonte Lammert, jeder wisse um die außergewöhnliche historische Situation und die damit verbundenen Schicksale. Die Bereitschaft und Fähigkeit der Slowaken, mit diesem historischen Ereignis umzugehen, verdiene "unseren großen Respekt", sagte Lammert.

Der slowakische Parlamentspräsident Sulik betonte, die Ausstellung beleuchte die 800-jährige gemeinsame Geschichte von Slowaken und Deutschen, die die meiste Zeit friedlich miteinander gelebt hätten. Sulik begrüßte ausdrücklich, dass sich das slowakische Parlament zu seiner Erklärung durchgerungen habe und äußerte seine Betroffenheit angesichts der schicksalhaften Ereignisse, die in Folge des Zweiten Weltkrieges ihren Lauf genommen hatten. "Es tut mir leid für die Menschen, die damals Schmerzen erfahren mussten", sagte Sulik und forderte: "Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft schauen."

Walther Greschner, der Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei, erinnerte an die Geschichte der Kapartendeutschen, die vor 800 Jahren "als Gäste gerufen wurden, um die heutige Slowakei zu besiedeln und zu kultivieren". Vor ihrer Vertreibung, zu der die Hitler-Diktatur schließlich geführt habe, hätten die Kapartendeutschen wichtige Spuren und Zeugnisse hinterlassen. Die Veranstaltung zeige, dass die Versöhnung auf einem guten Weg sei, so Greschner.

Die Ausstellung "Die Karpatendeutschen. Geschichte des Lebens der Deutschen in der Slowakei" ist vom SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Bratislava konzipiert worden und vom 1. bis 25. Februar 2011 zu sehen. Gruppenbesichtigungen sind nach Voranmeldung (Tel: 030/227-35425 oder E-Mail: thomas.karisch@bundestag.de) möglich.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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