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Alexander Weinlein
Neuer Herr der Akten

STASI-UNTERLAGEN Roland Jahn übernimmt Behörde

Roland Jahn wird im März die Nachfolge von Marianne Birthler als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen antreten. Der Bundestag wählte den Journalisten und früheren DDR-Bürgerrechtler mit 535 gegen 21 Stimmen. Weitere 21 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Nach Joachim Gauck und Birthler wird Jahn der dritte Leiter der Bundesbehörde mir ihren rund 1.800 Mitarbeitern.

Bundestagspräsident Nobert Lammert (CDU) würdigte vor der Wahl Jahns die zehnjährige Arbeit von Marianne Birthler. Sie habe sich mit großer Empathie für die Opfer des SED-Regimes eingesetzt und Geschichts- und Lebenslügen konsequent widerlegt. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin habe stets betont, dass die Stasi-Akten nicht nur als Dokumente der Unterdrückung angesehen werden müssten, sondern auch als Zeugnisse von Mut und Zivilcourage. Birthler gibt den Posten regulär nach zwei fünfjährigen Amtsperioden ab.

Im Widerstand

Der aus dem thüringischen Jena stammende Roland Jahn war 1983 gegen seinen Willen aus der DDR abgeschoben worden. Bereits als Student hatte sich der heute 57-Jährige gegen das SED-Regime aufgelehnt und gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert. Daraufhin wurde er der Universität verwiesen. Doch Jahn ließ sich nicht beirren und unterstützte öffentlich die Solidarnosc-Bewegung in Polen. Im Januar 1983 wurde er schließlich wegen "öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung" zu einer Haftstrafe von 22 Monaten verurteilt. Auf internationale Proteste hin wurde er nach einigen Wochen entlassen und gründete die Oppositionsgruppe "Friedensgemeinschaft Jena". Auch nach seiner Abschiebung unterstützte der Fernsehjournalist von West-Berlin aus, wo er weiterhin von der Stasi bespitzelt wurde, konsequent die Bürgerrechtsbewegung in der DDR.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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