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Entwicklungshilfe ohne bedingung: ContraGastkommentar
Wolfgang Drechsler
Die Probleme sehen

Das Gute zu fordern, ist oft einfacher als das Gute zu tun. Besonders deutlich wird der Spagat zwischen Wünschenswertem und Notwendigem in der deutschen Entwicklungshilfe, die als vermeintlich gute Tat für die Armen jahrzehntelang nie in Zweifel stand. Viel zu lange haben westliche Geber blindlings Geld auf Afrika geworfen - und dadurch seine Probleme nur verschärft. Oft haben die (zumeist bedingungslos gewährten) Transfers überfällige Reformen verhindert, Abhängigkeiten zementiert und korrupten Machthabern gedient. Das Resultat ist niederschmetternd: Kein einziges der 49 Länder in Schwarzafrika dürfte bis 2015 die Milleniumsziele zur Armutsbekämpfung erfüllen.

Noch schwieriger wird es mit der Moral, wenn ein mächtiger Wettbewerber wie China demokratische Grundsätze missachtet und seine Beziehungen allein nach rationalen, sprich: ökonomischen Kriterien ausrichtet. Wenn Deutschland beim Wettlauf um Rohstoffe und Einfluss nicht abgehängt werden will, täte es gut daran, seine Politik gegenüber Afrika neu zu definieren - und viel stärker mit eigenen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu verzahnen. Das heißt nicht, Menschenrechte stets dem Kommerz oder Terrorkampf zu opfern. Echte Realpolitik orientiert sich immer auch an Werten. Eine nüchterne Kosten/Nutzen-Rechnung dürfte die Entwicklung Afrikas sogar schneller vorantreiben als die von der Entwicklungslobby geforderten neuen Hilfsgelder. Denn es sind vor allem private Investitionen, die Jobs schaffen, Gehälter zahlen und für Steuereinnahmen sorgen. Nur wer wie die Privatwirtschaft Profite macht, kann Steuern zahlen - und damit ein Fundament für mehr Demokratie legen. Asien hat das bereits eindrucksvoll bewiesen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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