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Jasper Thoms
Mobile Drähte in die Welt

Kommunikation Internet hilft beim Sturz der Diktatoren

Ein Großteil der Afrikaner hat keinen Zugang zu Festnetztelefonen. Es mangelt entweder an Anschlüssen auf dem schwach verkabelten Kontinent, oder die Menschen können sich die anfallenden Gebühren nicht leisten. Zum Glück gibt es Handys. Das Mobiltelefon füllt die Versorgungslücke und spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Das Handy vernetzt Afrika mit der Welt.

Besonders deutlich wurde dies bei den Aufständen in Tunesien, Ägypten und Libyen. Blitzschnell konnten die Aktivisten Massen zusammentrommeln. Sie organisierten, kommunizierten, vermittelten der Welt Eindrücke, die früher im Schatten staatlicher Zensur verloren gegangen wären. Die Fotos von Handykameras gelangten ins Internet und dann in die ganze Welt. Kleine Videofilme von den Kämpfen konnten versendet werden. Im Laufe des Machtkampfs wies die Regierung in Ägypten alle Mobilfunkbetreiber an, den Betrieb einzustellen und kappte die Verbindung zum Internet. Das libysche Regime bemüht sich weiterhin, jegliche Berichterstattung zu kontrollieren. Gastarbeiter, die das Land verlassen wollen, müssen Handys und Kamera-Speicherkarten abgeben. Trotz aller Maßnahmen gelingt es Regimekritikern, immer neue Handyvideos über die Kämpfe zu senden und per Internet zu verbreiten. Das Zusammenspiel von Handy und Internet ist ein für Diktatoren kaum kontrollierbares Sprachrohr nach außen. Es erweist sich in den Händen von Demonstranten als wirksame Waffe gegen die Unterdrückung.

Wichtigstes Kommunikationsmittel

Laut "International Telecommunication Union" befanden sich im Jahr 2010 rund 330 Millionen Mobiltelefone in Afrika im Umlauf. Damit ist das Handy das wichtigste Kommunikationsmittel des Kontinents geworden. Die Festnetztelefonie spielt allerdings im Alltag vieler Menschen keine Rolle. Nur zwei von 100 Afrikanern besaßen im Jahr 2010 ein Telefon. Verbreiteter ist das Internet. Fast jeder zehnte hat einen Zugang zum Netz. Handy und Computer gelten bereits als Hoffnungsträger der wirtschaftlichen Entwicklung, Modernisierung und Demokratisierung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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