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Michael Kauch
»Ausgrenzung ist ungerecht und dumm«

Indigene Völker Die Menschen sind ein lebendiges Beispiel für Naturverbundenheit

Umweltschutz muss mit den Menschen gestaltet werden - nicht über ihre Köpfe hinweg. Diese Leitlinie sollte auch in der internationalen Politik für Klima und Biodiversität mehr Beachtung finden. Es sind die indigenen Völker, die durch ihre Nähe zur Natur wahre Kompetenzzentren sind. Ihr Wissen wäre ein Grund, es für Klimaanpassung, Waldschutz und den Kampf gegen die Wüstenbildung stärker zu nutzen. Gerade in Afrika wird ihre Rolle von den Regierungen nicht ausreichend anerkannt.

Indigene Völker

Um einem weit verbreiteten Missverständnis gleich vorzubeugen: nicht jeder Schwarzafrikaner auf dem Lande ist Angehöriger eines indigenen Volkes. Indigene Völker zeichnen sich dadurch aus, dass sie traditionellen Lebensweisen als Jäger, Sammler und Hirten folgen. Beispiele für indigene Völker sind die Buschmänner (San) im südlichen Afrika, die Pygmäen im Kongo-Becken, die Massai in Ostafrika und die Berber in Nordafrika. Ihnen gemein ist eine ausgezeichnete Kenntnis der Natur und existenzielle Verbindung zu natürlichen Lebensräumen. Sie leiden besonders unter dem Klimawandel und der Zerstörung von Naturräumen. Die Haltung afrikanischer Regierungen zu ihren indigenen Minderheiten ist uneinheitlich. Teils werden sie gefördert. Oft werden sie aber politisch unterdrückt, gesellschaftlich nicht anerkannt oder wirtschaftlich marginalisiert. Die Vertreter der indigenen Völker wie das Indigenous Peoples of Africa Coordinating Committee (IPACC) beklagen Menschenrechtsverletzungen. Obwohl sie und ihre Vorfahren seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur leben, werden die Indigenen aus einigen Naturschutzgebieten ausgesperrt und umgesiedelt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch dumm. Sie sind kompetente Ranger und könnten mit ihrer naturverträglichen Lebensweise ein lebendiges Beispiel für Nachhaltigkeit geben. Wirklich ärgerlich wird es, wenn Negativbeispiele mit ausländischen Mitteln finanziert werden. Und dabei klagen die Indigenen sowohl über staatliche Einrichtungen als auch über internationale Umweltschutz-Organisationen. Internationale Geldgeber sollten daher bei allen Natur- und Klimaschutzprojekten Wert darauf legen, dass die Menschenrechte indigener Völker gewahrt und ihre Kompetenzen genutzt werden. Die indigenen Völker kritisierten zurecht, dass sie bei UN-Klimakonferenzen von ihren Regierungen nicht in die Verhandlungen einbezogen werden. Sie kritisieren zurecht, wenn nationale Strategien für Klimaanpassung und Waldschutz in afrikanischen Staaten beschlossen werden, ohne ihre Vorschläge aufzugreifen.

Regenwald-Schutz

Der Erfolg des Regenwald-Schutzes ist für das Weltklima von herausragender Bedeutung. Dabei ist das Kongo-Becken nach dem Amazonas-Gebiet der größte CO2-Speicher der Erde. Auch der Schutz der Biodiversität entscheidet sich maßgeblich in den tropischen Regenwäldern. Daher hat Europa ein ureigenes Interesse daran, dass Naturschutz so effektiv wie möglich erfolgt. Mit den indigenen Völkern können wir mehr erreichen. Das muss Teil der Umweltpolitik werden.

Michael Kauch ist umweltpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion

Aus Politik und Zeitgeschichte

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