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Ramona Vogel
Ein kleines Stück Afrika in den Abgeordnetenbüros

Souvenirs Auch Parlamentarier bringen sich von ihren Reisen hübsche Kleinigkeiten mit, die sie an Länder oder Begegnungen erinnern.

Die schmale, große Frauenstatur hat Sibylle Pfeiffer, neugewählte entwicklungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, von einer Gruppe mosambikanischer Frauen geschenkt bekommen. Diese 150 Frauen, erzählt Pfeiffer, hätten mit Hilfe eines Mikrokredites eine Hühnerfarm aufgebaut. Ein Beispiel, dass Pfeiffer gefällt. Frauenrechte seien Menschenrechte, ohne die Frauen funktioniere der Aufbau eines Landes nicht. Ihr Fokus bei der Entwicklungshilfe liegt in dem Aufbau tragfähiger wirtschaftlicher Strukturen vor Ort. Eine Option, die sie für alternativlos hält und in die investiert werden muss - zumal es mit einem anderen Problem in Verbindung steht: "Bei einer Bevölkerungsentwicklung von bis zu elf Milliarden Menschen im Jahr 2050 müssen wir uns auf riesige Probleme vorbereiten." Ernährungssicherheit und Energieversorgung müssten dann anders diskutiert werden. Entwicklungspolitik sei auch eine Investition in unsere Zukunft.

Im Büro der SPD-Bundestagsabgeordneten Karin Roth erinnert ein Hut aus Lesotho an Afrika Das Königreich, eine Enklave im Hochgebirge Südafrikas, wird auch "Königreich der Himmel" genannt. Die Form des Hutes, genannt Basotho, geht auf die Gebirgsformation des Qiloane-Berges zurück. Als begeisterte Hutträgerin das richtige Geschenk für sie, findet Roth.

Als Frauenrechtlerin ist ihr die Situation der Frauen in Afrika besonders wichtig. Sie verweist auf die brutale Tradition der Genitalverstümmelung. 91 Prozent der ägyptischen Frauen seien davon betroffen, trotz gesetzlichen Verbotes.

Doch es gebe positive Zeichen: Burundi, Angola und Ruanda haben in Sachen Gleichberechtigung Fortschritte erreicht. "Die Frauen stehen jetzt wesentlich besser da, insbesondere auf der parlamentarischen Ebene." Aber es gibt noch viel zu tun. Gerade in Entwicklungsländern bedeute Gleichberechtigung, dass Frauen überhaupt überleben.

Eine Maske aus Darfur schmückt das Büro von Thilo Hoppe, Bundestagsabgeordneter der Grünen - das Geschenk eines Vertreters des sudanesischen Parlaments. Sieht Hoppe sie, erinnert er sich an die Gespräche in den Flüchtlingslagern in Darfur, das Elend und die Herzlichkeit, mit der Abgeordnete empfangen wurden. "Die Maske ist ein wenig furchterregend und ich habe sie nun ausgerechtet von den Menschen bekommen, die auf der anderen Seite des Konflikts stehen." Sie sei schon fast eine Fratze, die ihn jedoch immer an die Begegnungen in den Camps erinnern werde. Hoppes Engagement für die Entwicklungspolitik hat er oft unter Beweis gestellt. Zuletzt durch den auf seine Initiative formierten überfraktionellen Aufruf an die Regierung, das versprochene 0,7 Prozent-Ziel Entwicklungshilfe einzuhalten. Darüber hinaus sei die Beschränkung auf die Misswirtschaft in den Ländern selbst zu kurz gegriffen: "Zu einem großen Teil sind wir daran beteiligt."

Eine Obstschale in Giraffengestalt ist das kaum übersehbare Erinnerungsstück im Büro der FDP-Abgeordneten Marina Schuster. Auf dem Rückflug von Tansania hatte Schuster sie mit in die Kabine genommen. Außenminister Guido Westerwelle und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, die sie auf ihrer Afrikareise begleiten durfte, seien sichtlich erstaunt gewesen. Wenn es um Afrika geht, ist es Schuster wichtig von Partnerschaft zu sprechen. "Wir müssen weg vom Helfer/Bedürftige-Bild." Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sei ein gutes Beispiel. Nach dem Erfolg wäre "ein wenig mehr Vertrauen angebracht". Doch hat sie auch weniger positive Erfahrungen machen müssen. "Wasser und eine sanitäre Grundversorgung sind ein Menschenrecht", in Afrika allerdings nicht selten ein erhebliches Problem. Sie ist Pate der Initiative "Wash". Wash setzt sich für eine sichere Wasserversorgung und den Zugang zu sanitäre Anlagen ein, um "Menschen ein lebenswertes Umfeld zu ermöglichen".

Ein Fell, eingespannt in einen Holzrahmen, zeigt im Büro von Annette Groth, menschenrechtspolitische Sprecherin der Linksfraktion, eine traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie. Das Bild hat sie letztes Jahr von einer Reise aus dem Osten des Landes mitgebracht. Die Zubereitung von Kaffee ist dort ein fast feierliches Ritual. Auch wird der Kaffee mit Gewürzen aufgebrüht. Groths Beziehung zum Kontinent reicht weiter zurück. Als Kind habe sie zwei Jahre in Namibia gelebt, auch ihre Abschlussarbeit handelte von Afrika. Als großes Problem des Kontinentes sieht die Entwicklungssoziologin die verfehlte Wirtschaftspolitik. "Unsere Dumpingpreise zerstören die Produktion in Afrika, die Flüchtlingsströme sind von uns quasi hausgemacht." Nicht selten trage die Anwesenheit der Helfer zu einer Verschlechterung der Lage bei. Durch die UN-Mitarbeiter mit ihren ungleich hohen Gehältern stiegen auch die Lebenshaltungskosten in den Gebieten, gibt sie zu bedenken. Ramona Vogel z

Aus Politik und Zeitgeschichte

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