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Hans-Jürgen Leersch
Lockruf des Goldes

FINANZEN Die nationale Edelmetall-Reserve wird scheibchenweise an Anleger und Sammler verkauft

Gold - seit Jahrtausenden ist das seltene Edelmetall für den Menschen ein Mythos. Und selbst in heutigen Zeiten, wo Geld per Datentransfer in Sekundenbruchteilen über den Globus wandert, gilt Gold als gute Wertanlage. Sogar für Vater Staat. Die Deutsche Bundesbank verwaltet eine nationale Goldreserve von 3.401,8 Tonnen, wie die Bundesregierung auf eine schriftliche Frage (17/3807) des Abgeordneten Peter Gauweiler (CSU) mitteilte. Wo das Gold genau lagert, bleibt aber ein Geheimnis von Bundesbank und Bundesregierung.

"Aus Sicherheitsaspekten" veröffentliche die Bundesbank keine genauen Angaben über die Lagerstätten, wurde Gauweiler in einer anderen Antwort (17/4154) beschieden. Nur so viel ist bekannt: Einen Teil des Goldschatzes hat die Bundesbank selbst eingelagert. Weitere Bestände werden an wichtigen Goldhandelsplätzen bei den dort ansässigen Zentralbanken verwahrt. Das sind London (Bank of England) und New York (Federal Reserve Bank). Ein "kleiner Teil der Goldreserven" sei außerdem bei der Banque de France in Paris deponiert.

Warum das so ist, ist kein Geheimnis: Der deutsche Goldschatz wurde in den Wirtschaftswunderjahren des letzten Jahrhunderts aufgetürmt. Zahlungsüberschüsse durch den starken Export ließen es ratsam erscheinen, Gold zu kaufen. Dieses Gold wurde zum Beispiel in London oder New York physisch gekauft. Andere Länder verhielten sich genauso. "Laut eigenen Angaben verwahrt die Federal Reserve Bank of New York Goldbestände von nahezu 60 verschiedenen Notenbanken beziehungsweise staatlichen Stellen", teilt die Regierung mit. Die Lagerung im Ausland sei sinnvoll, solange sie kostengünstiger sei als der Transport nach Deutschland und der Bau zusätzlicher Tresoranlagen.

Barren gezählt

Dafür werden die Goldbestände regelmäßig inspiziert. Bundesbankmitarbeiter hätten am 11. Juni 2007 die Bestände der Bundesbank bei der Federal Reserve besichtigt. Die Barren würden extra verwahrt und "nicht zusammen mit Beständen anderer Notenbanken", so die Auskunft der Bundesregierung (17/4275).

Regelmäßig erhobene Forderungen, den deutschen Goldschatz zu verkaufen und in Bildung oder Umweltschutz zu investieren, wurden bisher von allen Bundesregierungen unabhängig von ihrer Zusammensetzung ebenso regelmäßig zurückgewiesen. Doch trennt sich die Bundesbank scheibchenweise von ihrem Goldschatz. Im vergangenen Jahr seien 4.981,26 Kilogramm - das sind fast fünf Tonnen - von der Bundesbank gekauft worden, teilte das Finanzministerium auf Anfrage dieser Zeitung mit. Finanzminister Wolfgang Schäuble musste dafür 148,4 Millionen Euro hinblättern.

Seit einigen Jahren betreibt der deutsche Finanzminister einen Goldmünzenverkauf und lockt damit Käufer an. Mussten Sammler der edlen Stücke früher auf Münzen aus Südafrika oder Kanada zurückgreifen, so gibt es deutsche Goldmünzen zum Nennwert von 100 Euro inzwischen bei der offiziellen "Versandstelle für Sammlermünzen". Zu verschenken hat Schäuble nichts: Die im letzten Jahr aufgelegte Münze mit dem Unesco-Weltkulturerbe Würzburger Schloss als Motiv mit einem Gewicht von einer halben Unze wurde zum Marktpreis plus Prägezuschlag abgegeben. Obwohl 100 Euro als Nennwert aufgeprägt sind, kostete die Münze über 500 Euro. In diesem Herbst erscheint eine Münze mit der Wartburg als Motiv. Für kleinere Geldbeutel lässt der Finanzminister Goldmünzen von 1/8 Unze Gewicht prägen. Die dem deutschen Wald gewidmete Serie (Nennwert jeweils 20 Euro) begann 2010 mit einem Eichenblatt als Motiv. In diesem Jahr kommt ein Buchenblatt an die Reihe. Wenn die Bundesbank in diesem Tempo weiter Gold verkauft, ist der letzte Barren in rund 680 Jahren verbraucht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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