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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Der Putschversuch am 23. Februar 1981 im spanischen Parlament war schneller vorbei als mancher glauben wollte: In dem Moment, als sich drei Abgeordnete nicht wegduckten oder - wie andere - auf den Boden warfen, sondern stehenblieben. Sie widersetzten sich dem Befehl von Oberstleutnant Antonio Tejero Molina, der mit Pistole im Anschlag das Parlament unter seine Kontrolle bringen wollte. Begleitschutz gab ihm eine bis an die Zähne bewaffnete Einheit der Guardia Civil. Im Plenum feuerte zuerst Molina seine Waffe ab, danach schoss sein Rollkommando.

Trotz ihrer offenkundigen Überlegenheit gingen die Putschisten am Ende nicht als Sieger vom Platz: Der vom amtierenden Ministerpräsidenten Adolfo Suárez, seinem Stellvertreter General Manuel Gutiérrez Mellado und Santiago Carrillo, dem Chef der Kommunistischen Partei, geführte Übergangsprozess zur Demokratie überstand den Aufstand. Aus der Perspektive der beiden Franco-Anhänger und des Leninisten, die sich als die wahren Patrioten eines demokratischen Spaniens entpuppten, erzählt der Romancier Javier Cercas die wechselvolle Geschichte seiner Heimat nach der Franco-Diktatur. Bis heute kennt jeder Spanier die Fernsehbilder des Putsches, die live aus dem Parlament in die Wohnzimmer der Bürger übertragen wurden.

Ohne zu zögern beendete König Juan Carlos als Oberbefehlshaber der Streitkräfte mit seinem berühmten Fernsehplädoyer für die Fortsetzung der Demokratisierung den Putsch. Auch nach 30 Jahren vermag Cercas im Putschversuch nur eine "typisch spanische Groteske" zu sehen: sowohl mit Blick auf die beteiligten Putschisten als auch auf ihre Planungen. Cercas hat ein perfekt recherchiertes Sachbuch vorgelegt. Es zeugt von einer enorm großen sprachlichen und bildlichen Intensität.

Javier Cercas:

Anatomie eines Augenblicks. Die Nacht, in der Spaniens Demokra-tie gerettet wurde.

S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2011; 570 S., 24,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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