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Alexander Heinrich
Südsudan beginnt bei Null

ENTWICKLUNG

Die Chancen eines unabhängigen Südsudans bewertet die Bundesregierung verhalten positiv. Der neue Staat beginne sprichwörtlich bei Null, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am vergangenen Mittwoch im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betonte. Dies eröffne zum einen Chancen auf einen demokratischen Neuanfang und den Aufbau eines parlamentarischen Systems. Andererseits drohe die Gefahr, dass Konflikte zwischen den rund 200 Volksgruppen aufbrechen würden, die bisher nur der gemeinsame Kampf für die Unabhängigkeit geeint habe.

In einem Referendum im Januar 2011 hatte die Bevölkerung im Süden Sudans mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit gestimmt. Die Unabhängigkeitserklärung ist nach Angaben der Bundesregierung für den 9. Juli 2011 vorgesehen. Umstritten zwischen Sudan und dem in die Eigenstaatlichkeit drängenden südlichen Landesteil sind nach Auskunft des Auswärtigen Amtes die künftige Grenzziehung und die Einnahmen aus der Ölförderung. Rund zwei Drittel der Vorräte lägen im Südsudan, nur ein Drittel im Sudan. Dort sei wiederum der Großteil der Raffinerien und ölverarbeitenden Betriebe angesiedelt. Ungeklärt ist laut Auswärtigem Amt auch die Rechtsnachfolge des Gesamt-Sudans, an die unter anderem Schulden von rund 35 Milliarden Euro gekoppelt seien. Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die Bundesregierung auf internationaler Ebene für eine Entschuldung des Gesamt-Sudans stark mache.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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