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Sandra Ketterer
Erinnerungen an das monströse Bauwerk

DOPPELAUSSTELLUNG Werke des Fotografen Robert Häusser im Bundestag

Das Auffallende an Robert Häussers Fotos sind die starken Kontraste zwischen Schwarz und Weiß. Das Gestell eines Kinderbettes leuchtet als heller Fleck auf der von einem Schatten verdunkelten Berliner Mauer, gefangen im Stacheldraht. Zwei riesige Felsbrocken heben sich wuchtig von dem weißen Himmel ab, dazwischen steht daumennagelgroß ein Mensch. Die Werke sind in einer Doppelausstellung "In memoriam - Die Berliner Mauer" und "Ins Wort gesetzt - Zeitgenössische Lyrik zu Fotografien von Robert Häusser" noch bis zum 26. Juni im Kunstraum des Bundestages und im Mauer-Mahnmal zu sehen.

Als "ganz besonders wichtige Stütze der Erinnerung" lobte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) während der Aussellungseröffnung am vergangenen Dienstag Künstler wie Robert Häusser. Mit seinen Werken über die Berliner Mauer helfe er, Erinnerungen an "das vielleicht monströseste Bauwerk des Jahrhunderts" wach zu halten. Es sei bald ein halbes Jahrhundert her, dass die Mauer gebaut worden sei. Seit 20 Jahren sei sie aber schon aus dem Stadtbild verschwunden. Viele Touristen könnten sich gar nicht vorstellen, wie die getrennte Stadt früher einmal ausgesehen habe.

Robert Häusser, 1924 in Stuttgart geboren, gilt als ein Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie. Er gehört zu den wenigen international anerkannten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. "In memoriam" zeigt Arbeiten, die Häusser für einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb des Bundestages geschaffen hatte. "Ins Wort gesetzt", eine vom Forum Internationale Photografie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim konzipierte Schau, kombiniert knapp 40 Bilder Häussers mit extra dazu geschriebener Lyrik von zeitgenössischen Autoren wie Wolf Biermann und Ulla Hahn. Zu sehen sind unter anderem Landschaften, Stilleben und Porträts berühmter Zeitgenossen. "Häusser hat die Fotografie wieder in den Rang der Kunst gehoben", betonte Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Bundestages. Nach dem Krieg habe sie vor allem dokumentarischen Charakter gehabt, die Kunst sei in den Hintergrund getreten. "Viele dieser Bilder könnte man durchaus als Romantik bezeichnen, aber es wäre eine abgründige Romantik", sagte Kaernbach. Die Motive drückten existenzielle Ängste aus.

"Ins Wort gesetzt" ist dienstags bis freitags im Kunstraum des Bundestages von 11 bis 17 Uhr zu sehen. "In memoriam" im Mauer-Mahnmal freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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