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AUFGEKEHRT

Ämtchen wechsel dich

Sie gehörten zur jungen Garde im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Karl Theodor zu Guttenberg - bei seiner Amtseinführung 37 Jahre alt - und Philipp Rösler, sogar noch ein Jahr jünger. Beide hatten sie die ganz großen Reformen im Blick. Der eine wollte die Wehrpflicht abschaffen, der andere das marode Gesundheitssystem umbauen. Und nun? Der ehemalige Doktor Guttenberg musste seinen Hut nehmen, weil er sich einen anderen zu Unrecht aufgesetzt hatte. Der noch immer Doktor Rösler hingegen klettert die Karriereleiter ein Stück hinauf und ist nun FDP-Parteichef und Wirtschaftsminister. Mit der lästigen Gesundheitsreform kann sich dann sein Nachfolger Daniel Bahr herumschlagen. Der ist sogar erst 34 Jahre alt, trägt keinen Doktortitel und ist eigentlich studierter Ökonom. Wer nun der Ansicht ist, dass er dadurch eher für den Posten des Wirtschaftsministers geeignet ist, hat die erste Grundregel der Ämtervergabe nicht richtig verstanden. Die Neuen - und das ist nicht nur im Bundeskabinett so - müssen sich schließlich immer den unangenehmsten Aufgaben stellen. Das Wirtschaftsressort übernimmt wie erwähnt der promovierte Mediziner Rösler, der nach nur gut anderthalb Jahren den diplomierten Volkswirt Rainer Brüderle ablöst. Der wiederum eigentlich der Ämtertauschlogik folgend Gesundheitsminister werden müsste, stattdessen aber die Fraktion führen soll…

Ein derartiges Durcheinanderwirbeln der Berufsgruppen kennt man eigentlich nur vom Militärdienst. Dort wurde gern der gelernte Koch für die Zeit seiner Wehrdienstableistung in die Werkstatt geschickt und der Autoschlosser an den Herd gestellt. Doch damit ist es ja nun vorbei. Dafür gebührt dem studierten Juristen und Politikwissenschaftler Guttenberg Dank - auch wenn der beim Ämtertausch aufgrund des fremden Hutes leer ausgeht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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