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ORTSTERMIN: BEIM SPORTLICHEN BUNDESTAG
Sandra Ketterer
»Ins Ziel kommen - egal mit welcher Zeit«

Ab und zu mal den Popo bewegen kann nicht schaden." TV-Moderatorin Ruth Moschner feuert ihre Zuschauer an. Bewehrt mit einem blauen Hula-Hoop-Reifen will sie die Menge im wahrsten Sinne des Wortes aufwärmen. Vor ihrer kleinen Bühne haben sich die 459 Teilnehmer des Bundestagslaufes versammelt. Sie versuchen die Reifen um ihre Hüften zu schwingen - zu Moschners Kommando. Die Moderatorin greift sich den einen oder anderen aus der Menge und holt ihn auf die Bühne zum Vorturnen, zum Vergnügen des Publikums.

Doch dann wird es ernst. Die Läufer drängen sich an der Startlinie. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) gibt den Startschuss. Er habe "allen Respekt" vor der Leistung der Läufer, sagt er. "Ich wünsche allen, dass sie ins Ziel kommen - egal mit welcher Zeit."

Es war bereits der zwölfte Lauf, den die Sportgemeinschaft des Bundestages am vergangenen Mittwoch organisiert hat. Zwei Strecken hatten die Teilnehmer zur Auswahl, einmal 7,2 Kilometer, einmal 3,6 Kilometer, beides durch den Tiergarten vor dem Bundestag. Gekommen waren Abgeordnete, ihre Mitarbeiter, Mitglieder der Verwaltung des Bundestages und anderer Behörden.

Der Lauf war die zweite Gelegenheit in dieser Woche, bei der sie parlamentarische Sportlichkeit beweisen konnten. Zwei Tage zuvor hatten Gero Storjohann (CDU), Kirsten Lühmann (SPD) und Torsten Staffeldt (FDP) zu einer Radtour durch Berlin eingeladen. Etwa 100 Teilnehmer haben sich angemeldet. Zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung hatten die Abgeordneten eine Route ausgearbeitet. "Ich habe mit fünf oder sechs Radfahren gelernt, das war für mich ein Freiheitsgewinn", sagt Staffeldt. Wie alle ausgestattet mit Warnweste und Helm, steht er strahlend neben seinem Rad. Er habe sich "aus der Fraktionsklausur gestohlen", um teilnehmen zu können, gesteht er. Für ihn ist es seine erste parlamentarische Radtour, er sei schließlich erst 2009 in den Bundestag gekommen. Auch für Lühmann ist es das erste Mal. Sie freut sich auf die Bewegung an der frischen Luft. Storjohann ist erfahrener. Es sei bereits die vierte Tour, die er mitmache, gibt er zu Protokoll. "Als neuer Abgeordneter war es für mich sehr aufschlussreich, Berlin per Fahrrad zu erkunden. Diese Erfahrung will ich an meine neuen Kollegen weitergeben." Im Anschluss an seine erste parlamentarische Radtour habe er sich begeistert ein Rad gekauft. "Inzwischen mache ich mit meiner Familie Fahrradurlaube in Berlin", sagt Storjohann.

Neben dem Spaß am Radfahren wollen Abgeordnete und Senatsverwaltung auch über Verkehrspolitik diskutieren. Der erste Stopp ist jedoch am Reichstagsgebäude, vor dem sie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) begrüßt. Er erinnert an die Geburt von Adam Opel vor 174 Jahren. Der habe zunächst Nähmaschinen produziert, erst nach seinem Tod sei die Firma auf Autos gekommen. Dazwischen aber habe er Fahrräder gebaut. "Aus heutiger Sicht spricht manches dafür, dass Autos und Nähmaschinen zeitlich befristete Investitionen waren", sagt Lammert. "Fahrräder dagegen haben schon vielfältige Wendungen der Energiepolitik überlebt."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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