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VOR 25 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Das grüne Ressort

3. Juni 1986: Ministerium eingerichtet

Die Reaktor-Katastrophe von Fukushima im März hatte auch Auswirkungen auf die deutsche Politik: Wenige Tage nach dem Unglück wurde die erst im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in der Bundesrepublik ausgesetzt, die Regierung verkündete ein dreimonatiges Moratorium. Außergewöhnliche Ereignisse erfordern eben außergewöhnliche Entscheidungen. So war es schon 1986. Als im April der vierte Reaktorblock des Kernkraftwerks in Tschernobyl explodierte und es zur bislang größten Atomkatastrophe in der Geschichte kam, handelte auch der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) entsprechend außergewöhnlich. Gerade einmal sechs Wochen nach dem GAU richtete er am 3. Juni 1986 das Bundesumweltministerium ein.

Zwar war die Einrichtung des Ministeriums schon länger geplant, eigentlich sollte aber erst nach den Wahlen 1987 ein Umweltminister am Kabinettstisch Platz nehmen. Mit den Ereignissen in Tschernobyl änderte sich jedoch die Lage. Das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit sowie das Innen- und das Landwirtschaftsministerium mussten Kompetenzen an das neue Ressort abgeben; erster Umweltminister wurde der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU). Nach Wallmann, der nur elf Monate im Amt war, saßen einige, auch heute noch aktive Politiker auf dem Chefsessel. Darunter die jetzige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - von 1994 bis 1998. Bis 1998 sollte es auch dauern, bis die Umweltpartei schlechthin, Bündnis 90/Die Grünen, mit Jürgen Trittin erstmals einen Umweltminister stellten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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