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PRO: RENTE MIT 67Gastkommentar
Cornelia Schmergal
Notwendige Reform

Auch Nichtstun kann eine Herausforderung sein. Wer wüsste das besser als die Rentenpolitiker? Sie sind ziemlich gut darin, Reformen zu verabschieden. Leider scheitern sie oft daran, diese Gesetze in Ruhe wirken zu lassen: Nachhaltigkeits- und Riesterfaktor werden regelmäßig ausgesetzt, mit ihrer Rentengarantie hebelte die Große Koalition gleich die ganze renovierte Formel aus. Und nun ist es die längst beschlossene Erhöhung der Lebensarbeitszeit, die die Opposition gern schreddern möchte. Dieses Mal sollte die Regierung unbedingt standhaft bleiben. Die Rente mit 67 muss kommen.

Heute kommen auf einen Ruheständler drei Beitragszahler. In 20 Jahren, wenn die höhere Altersgrenze voll greift, sind es nur noch zwei. Wer diese Reform nicht will, hat nur zwei Alternativen: Er könnte die Beitragssätze erhöhen und die Jobs der Jüngeren gefährden - oder das Rentenniveau weiter kürzen und die Älteren zu einem noch bescheideneren Lebensstandard verdonnern. Im Vergleich dazu ist die Rente mit 67 ein milder Einschnitt.

Zuallererst sollten wir unser Bild von den Älteren korrigieren. Als 1957 das Umlagesystem geschaffen wurde, erhielt ein Rentner im Schnitt kaum neun Jahre lang Leistungen. Heute sind es doppelt so viele Jahre. Die Menschen leben nicht nur länger, sie bleiben auch länger fit. Wer über 60 Jahre alt ist, gilt nicht als siecher Senior, sondern als erfahrene Fachkraft, um die auch Arbeitgeber bald wieder buhlen. Natürlich wird es immer Menschen geben, die körperlich hart arbeiten und nicht bis zur Rente auf dem Bau schuften können. Für sie geht es aber darum, das Erwerbsleben besser zu machen -und nicht kürzer. Sie brauchen Angebote für lebenslanges Lernen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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