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VOR 55 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Ein Reaktor für Deutschland

25. Juli 1956: Atomplan vorgestellt

Den Weg in Deutschland freimachen für die wissenschaftliche Erforschung der Kernenergie und für die wirtschaftliche Nutzung der Spaltung der Atomkerne. Mit dieser Zielsetzung begann Atomminister Franz Josef Strauß (CSU) etwas, das nun enden soll: die Nutzung der Kernenergie in der Bundesrepublik. Am 25. Juli 1956 stellte der damalige Bundesminister für Atomfragen der Öffentlichkeit das "Erste deutsche Atomprogramm" vor - einen Drei-Stufen-Plan, an dessen Ende der Bau des ersten Kernreaktors "Made in Germany" in Karlsruhe stand. Zunächst sah er jedoch vor, Fachkräfte zu finden und Forschungsreaktoren aus dem Ausland zu kaufen.

Dabei waren der Bundesrepublik nach Kriegsende jegliche Aktivitäten in der Atomforschung verboten. Obwohl Kanzler Konrad Adenauer (CDU) sich schon 1952 erstmals öffentlich für deutsche Reaktoren stark machte, dauerte es bis 1955 - als West-Deutschland souverän wurde -, dass deutsche Kernforschung möglich wurde. Adenauer handelte schnell und ernannte seinen bisherigen Sonderminister Strauß zum Atomminister. Dieser sollte vor allem die deutsche Atomforschung unterstützen, um den technologischen Rückstand gegenüber anderen Ländern aufzuholen.

Jubel über den Einstieg der Bundesrepublik in die Atomforschung gab es damals nicht nur von der Regierungsbank. In den 1950ern galt die Nutzung der Kernenergie als Zukunftstechnologie. So verwundert es nicht, dass auch die SPD applaudierte: "Atomenergie kann zu einem Segen für hunderte von Millionen Menschen werden", schrieb die Partei 1956 in ihrem Atomplan.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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