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AUFGEKEHRT
Verena Renneberg
Saure Gurken im Sommer

Das Sommerloch: Wie groß wird es in diesem Jahr wohl sein? Genauso groß wie immer: 2,53 Quadratkilometer. Das lauschige Sommerloch liegt auf einer Höhe von 246 Metern über Normalnull, 12 Kilometer von Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz, entfernt. Journalisten, die sich für besonders pfiffig halten, nehmen im Sommer gern die Strapazen auf sich, um für ein paar Kalauer nach Sommerloch zu reisen. Die Anwohner nehmen es mit Gleichmut, es sind auch nicht sehr viele - aktuell 431, um genau zu sein.

Berühmter als der kleine Ort ist die laut Duden "besonders an wichtigen politischen Nachrichten arme Zeit während der sommerlichen Ferienzeit". Gemeinhin wird auch noch betont, dass der Sport, allen voran die Fußball-Bundesliga, in dieser Zeit ebenfalls pausiert. Böse Zungen behaupten sogar, das sei der einzig wahre Grund für die hohen Einschaltquoten der Frauenfußball-WM. Der Begriff Saure-Gurken-Zeit, der oft als Sommerloch-Synonym verwendet wird, wurde übrigens in Berlin geprägt - allerdings dank der Spreegurken, nicht der Politik.

Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister (CDU), schreibt in seinem rund 220 Seiten starken Werk "Das Sommerloch. Links und Rechts der Politik": "Das politische Sommerloch hat mich 16 Jahre jeden Sommer gequält." Verständlich, bringen es doch vor allem mediaphile Reptilien zu kurzer Berühmtheit: zu keiner anderen Jahreszeit werden so viele Krokodile in deutschen Gewässern vermutet wie im Sommerloch. Sie buhlen jedoch vereinzelt mit Politikern um Aufmerksamkeit. Zu ihnen zählt in diesem Jahr der thüringische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte, der sich selbst vermietet. "Rent a Hirte" heißt sein Projekt, zu dem er twittert: "Bin gespannt, wer mich in meiner Sommertour mieten wird." Vielleicht wird es ja Norbert Blüm sein, damit er sich nicht alleine quälen muss.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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