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SERIE ÜBER ABGEORDNETENBÜROS: ZU BESUCH BEI ELKE HOFF
Sandra Schmid
»Ein Zeichen der Anerkennung«

Manche schmücken ihren Schreibtisch mit Familienfotos, Blumen oder Nippes. Elke Hoff hat Panzer. Fein säuberlich aufgereiht stehen sie in ihrem Büro auf einem Schrank: sechs Miniaturen, darunter ein Leopard II-Panzer, ein GTK Boxer und ein Spähwagen Fennek. Objekte einer Sammelleidenschaft? Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion winkt ab: "Ach, die bringen Firmen mit, die natürlich für ihre Produkte werben wollen." Dennoch, Hoff hat für das Mini-Kriegsgerät bewusst einen Ort in Sichtweite ihres Arbeitsplatzes gefunden: "Die richtigen Beschaffungsentscheidungen gehören eben auch zu meinen Aufgaben im Ausschuss."

Die 54-Jährige ist seit 2005, seit sie als Abgeordnete in den Bundestag einzog, Mitglied im Verteidigungsausschuss. Für die in Unkel am Rhein geborene gelernte Kauffrau der spannendste Politikbereich überhaupt: "Ich wollte immer wissen, wie Konflikte entstehen und wie man sie lösen kann. Aber gerade auch das Spannungsfeld von Politik und Technik ist faszinierend." Die Technologie zu kennen, über die der Bundestag als Ausstattung für die Bundeswehr zu entscheiden hat, ist für die Wehrexpertin Hoff selbstverständlich. So kletterte die blonde Politikerin bereits ins Innere eines Leopard II-Panzers, war im Spähwagen unterwegs und absolvierte einen eineinhalbstündigen Flug im Kampfjet "F16" - inklusive eintägigem Training. "Sie müssen im Notfall wissen, wie die Kommunikation über Kopfhörer funktioniert, wie Sie mit der Sauerstoffmaske umgehen oder den Schleudersitz auslösen", erklärt Hoff, die gegen Ausrüstungsmängel in der Truppe kämpft und sich für bessere Versorgung traumatisierter Soldaten einsetzt.

Hoff war es stets wichtig, ein Gefühl für die Dinge zu bekommen, über die sie mit zu entscheiden hat. Deshalb reiste sie auch 2008 als erste deutsche Abgeordnete überhaupt in die von Kämpfen erschütterte irakische Hauptstadt Bagdad. Ein Besuch, der Hoff die Bezeichnung "Deutschlands furchtloseste Abgeordnete" bei den Illustrierten einbrachte. Daran erinnert, schüttelt Hoff kurz den Kopf. Furchtlos sei sie angesichts der in nächster Nähe einschlagenden Raketen keineswegs gewesen. Doch Angst dürfe sie nicht von solchen Reisen abhalten: "Wir schicken Soldaten in Krisenregionen, und das Mindeste ist, dass wir Entscheidungsträger wissen, was dort auf die Männer und Frauen zukommt."

Mit dieser Haltung hat Hoff so ziemlich jede Krisenregion der Welt bereist: Neben dem Irak war sie bereits in Afghanistan, Darfur, Iran, Libanon, Kongo, Kosovo und in Pakistan. An die Besuche erinnern verschiedene Mitbringsel in ihrem Büro, wie etwa ein afghanisches Teeservice, das das Fensterbrett ziert. Hoffs ganzer Stolz sind aber ihre "coins". Eine Sammlung von 42 verschiedenen Medaillen und Abzeichen, die die Abgeordnete von Vertretern der internationalen Streitkräfte und auch der deutschen Standorte überreicht bekommen hat, die sie besucht hat. "Sie sind schon ein Zeichen der Anerkennung", erklärt Hoff. "Die bekommt nicht jeder."

In der nächsten Ausgabe: Besuch bei Hermann E. Ott

Aus Politik und Zeitgeschichte

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