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Alexander Weinlein
Die Opfer des Krieges

BUNDESWEHR 52 deutsche Soldaten sind seit 2002 in Afghanistan ums Leben gekommen

Es ist kein Attentat wie jedes andere: Am 18. Februar 2011 eröffnet ein Afghane in einem Außenposten der Bundeswehr in der Provinz Baglan das Feuer und erschießt drei deutsche Soldaten. Es sind nicht die ersten Toten, die die deutschen Streitkräfte seit Beginn ihres Engagements in Afghanistan zu beklagen haben. Aber die drei toten Bundeswehrsoldaten symbolisieren in besonderer Weise, wie gefährlich und tückisch der Isaf-Einsatz ist - denn der Attentäter trug die Uniform der Afghanischen Nationalarmee (ANA), an deren Ausbildung und Aufstockung sich die Bundeswehr im so genannten "Partnering" seit Anfang 2010 verstärkt beteiligt.

Der Anschlag traf die Deutschen an einem wunden Punkt: Denn gerade durch das "Partnering" soll die afghanische Armee in die Lage versetzt werden, bis 2014 die Sicherheit im gesamten Land selbst zu tragen, und damit den schrittweisen Abzug der Isaf-Truppen vom Hindukusch ermöglichen. Es war nicht das erste Mal, dass von einem Augenblick auf den anderen aus einem vermeintlich Verbündeten der Feind wurde. Auch die Isaf-Kontingente anderer Nationen hatten in den Monaten zuvor bereits mehrfach diese böse Erfahrung machen müssen.

Seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan Ende 2001 hat die deutsche Isaf-Truppe 52 Tote zu beklagen, 34 von ihnen fielen bei Gefechten oder wurden durch Bombenattentate und Minen getötet. Die übrigen starben bei Unfällen oder begingen Selbstmord. Die Zahl der Verwundeten beziffert die Bundeswehr seit Einsatzbeginn auf insgesamt 200 Soldaten. Sorgen bereitet den Deutschen auch die steigende Zahl traumatisierter Soldaten. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 500 Soldaten wegen posttraumatischer Belastungsstörungen behandelt, seit Einsatzbeginn mehr als 1.800.

Steigende Verluste

Einen deutlich höheren Blutzoll mussten allerdings die amerikanischen Truppen in Afghanistan hinnehmen. Bereits im Sommer 2010 beklagten die USA 1.000 tote Soldaten. Seit Jahresbeginn sind bereits 390 Isaf-Soldaten ums Leben gekommen, 290 von ihnen waren Angehörige des amerikanischen Kontingentes. Die steigende Zahl gefallener Isaf-Soldaten ist auch eine Folge der massiven Truppenerhöhung im vergangenen Jahr und der verstärkten Bemühungen, die Taliban doch noch niederzuringen. Nach Nato-Angaben verfügt die Isaf derzeit über rund 132.000 Soldaten, rund 90.000 werden allein von den USA gestellt.

Über die Zahl der getöteten Zivilisten existieren nur Schätzungen. Nach Angaben der Vereinten Nationen starben allein im ersten Halbjahr 2011 mehr als 1.400 Zivilisten, 30 Prozent von ihnen durch Bombenattentate und Sprengfallen der Taliban.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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