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Hans-Jürgen Leersch
Kurz notiert

Gleich mehrere Maßnahmen werden diskutiert, um die stark schwankenden Finanzmärkte in ruhigeres Fahrwasser zu bringen und die heftigen Ausschläge an den Börsen nach oben und unten (Volatilität) in Zukunft zu begrenzen. Eine Übersicht:

Finanztransaktionssteuer: Sie gilt als die wichtigste Maßnahme zur "Entschleunigung" der Märkte. Die Steuer soll bei jedem Kauf oder Verkauf von Wertpapieren fällig werden. In Modellen wurden Steuersätze von 0,01 und 0,05 Prozent gerechnet, was den Kauf oder Verkauf einer Anleihe von 1.000 Euro um zehn beziehungsweise 50 Cent verteuern würde. Da an den Börsen Wertpapiere oft im Sekundentakt hin- und hergeschoben werden, wird ein Milliardenaufkommen durch eine Transaktionssteuer erwartet. Die EU geht sogar von 55 Milliarden Euro im Jahr aus.

Leerverkaufsverbot: In Deutschland gibt es bereits das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe. Bei dem Modell verkauft ein Händler ein Papier, das er gar nicht besitzt, in Erwartung fallender Kurse. Wenn die Kurse tatsächlich fallen, kauft er das Papier zu einem niedrigeren als dem Verkaufskurs ein und liefert dem Käufer das Papier. Die Differenz ist der Gewinn des Händlers. Ungedeckte Leerverkäufe werden als Wetten angesehen, die keinem vernünftigen Zweck dienen.

Risikopapiere: In Deutschland sind den Verbriefungen von Krediten, die die Finanzkrise mit verursacht hatten, bereits enge Grenzen gesetzt worden. Bei Verbriefungen handelt es sich um die Zusammenfassung von guten und schlechten Krediten in einen Fonds, der dann in Teilen als Geldanlage verkauft wird. Aber viele Länder haben sich der deutschen Initiative nicht angeschlossen. Außerdem stehen "Derivate" im Verdacht, Finanzkrisen auszuweiten. Derivate sind Termingeschäfte auf Waren oder Wertpapierkurse. Der Käufer wettet damit auf steigende oder fallende Preise und Kurse.

Versicherungen: Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) gelten ebenfalls als großes Risiko. Damit sichern sich Käufer gegen einen Verlust ihrer gekauften Papiere wie Staatsanleihen ab. Der Handel mit diesen CDS hat sich längst verselbstständigt und gilt als krisenverdächtig.

Bankentrennung (siehe auch Kommen- tare Seite 2) Als Risiko für die Finanzwirtschaft werden große Banken angesehen, die von der Kreditvergabe bis zum Investmentbanking alle Geschäftsfelder unter einem Dach vereinen. Vorgeschlagen wird, den Investmenthandel mit Wertpapieren und Derivaten abzutrennen. Dann könnten Verluste aus dem Wertpapierbereich nicht auch die Tätigkeit von Geschäftsbanken treffen. Andererseits handelte es sich beim US-Finanzinstitut Lehman Brothers, mit dessen Zusammenbruch die jüngste Krise begann, um eine reine Investmentbank.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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