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Jan Eisel
Schwerwiegende Scheidungsfolgen

KINDERKOMMISSION

"Glückliche Scheidungskinder" hat Dieter Katterle, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, noch nicht gesehen. "Aber erleichterte", sagte er mit Blick auf die befreiende Wirkung einer Scheidung, wenn das Familienleben zuvor zur Hölle geworden ist. Als einer von vier Experten äußerte sich Katterle vergangene Woche in einer Anhörung der Kinderkommission zur Situation der Kinder von Alleinerziehenden. Nach Katterles Einschätzung sind diese in der klinischen Behandlung überrepräsentiert. Aus der Praxis wüsste er, dass sie "Krisen hinter sich haben, die auch der traditionellen Familie anzulasten sind" - zum Beispiel Gewalt. Insofern dürfe das Modell der Alleinerziehenden nicht stigmatisiert werden.

Ursula Kodjoe, Diplom-Psychologin, stellte fest, dass "Kinder in Patchworkfamilien oft nicht wissen, wer über sie bestimmen darf, weil sie die Autorität nicht zuordnen können". Oft würden Eltern Lösungen fehlen, damit umzugehen. Auch werde notorisch unterschätzt, wie viel Kinder von Trennungen mitbekommen und welche Ängste sie ausstehen. "Kinder brauchen nicht viele, aber ehrliche Worte", sagte Kodjoe.

Erika Biehn vom Bundesverband alleinerziehender Väter und Mütter stellte fest, dass Alleinerziehende kaum ihre Rechte kennen. Die materiellen Einschnitte nach einer Scheidung seien gravierend "und die geplanten Kürzungen beim Unterhaltsvorschussgesetz ein Fehler". Sabina Schutter vom Deutschen Jugend-institut legte Wert darauf, Alleinerziehende nicht als homogene Gruppe zu betrachten. "So können Kinder auch einen Elternteil durch den Tod verlieren", sagte sie. In diesen Fällen sei festzustellen, dass dies auf lange Sicht als weniger schlimm empfunden werde als eine Scheidung, weil von diesem Familienmitglied in der Regel gut gesprochen werde. Bei aller Einschränkung dieses Vergleichs stellte sie fest, dass die Folgen einer Trennung für Kinder "durch die Eltern entschieden werden".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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