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VOR 60 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Ja zum Südweststaat

9. Dezember 1951: Zusammenschluss

"Wir lassen es uns nicht mehr länger gefallen, dass der Provinzialismus eines einzelnen Mannes Deutschlands Selbstorganisation verhindert", schimpfte im Herbst 1951 Carlo Schmid, damals SPD-Landesvorsitzender in Württemberg-Hohenzollern. Dieser "einzelne Mann" hieß Leo Wohleb, Staatspräsident des Landes Baden. Der Streitpunkt der beiden Politiker: die Gründung eines Südweststaates in der Bundesrepublik - Baden-Württemberg.

Nach dem Krieg gliederten die Besatzungsmächte das Gebiet des heutigen Bundeslandes neu. Aus Baden, Württemberg und dem preußischen Hohenzollern modellierten sie die Länder Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern. Nicht viele waren damit zufrieden. Während sich Wohleb "sein" altes Land Baden zurückwünschte, wollten andere den Zusammenschluss. Die Argumente: Vereinfachung der Verwaltung, Vorteile für die Wirtschaft, mehr Einfluss auf Bundesebene. Im April 1951 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das das Volk am 9. Dezember 1951 zur Abstimmung über den Plan aufrief. Abgestimmt wurde in vier Wahlbezirken; der Zusammenschluss galt als angenommen, wenn drei der vier Bezirke zustimmten. 69,7 Prozent der Badener und Württemberger stimmten für den Südweststaat, nur in Südbaden hatte er keine Mehrheit. Ein weiterer Schönheitsfehler: Im gesamt-badischen Gebiet - Nord- und Südbaden - stimmten 52 Prozent mit Nein. Die Verfechter der Eigenständigkeit Badens waren hartnäckig: 1970 wurde erneut abgestimmt - 82 Prozent der Badener votierten für einen Verbleib in Baden-Württemberg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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