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Bessert das Ärztegesetz die Versorgung?Gastkommentar
Stefan von Borstel
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Für sein "Landärztegesetz" muss Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Menge Kritik einstecken. Ein teures "Ärztebeglückungsgesetz" sei das, was der FDP-Politiker da vorgelegt hat, höhnt die Opposition und wittert Klientelpolitik. Doch selbst die Ärzteschaft, die doch laut Opposition eigentlich beglückt sein sollte, mosert an dem Gesetz herum: Stückwerk sei das, mutloser Aktionismus ohne Konzeption.

Bei näherer Betrachtung erweist sich das Versorgungsstrukturgesetz, das der Bundestag am Donnerstag verabschiedet hat, dann doch besser als sein Ruf. Erstmals nimmt sich die Politik des Themas Ärztemangel an. Das ist neu. Bislang hieß es immer, in Deutschland gebe es genug Ärzte, sie seien nur schlecht zwischen Stadt und Land verteilt. Auch jetzt fordert die Opposition immer noch, mit der Unterversorgung auf dem Lande die "Überversorgung" in der Stadt abzubauen. Doch mit dieser Art der Ärztelandverschickung wird man nicht weit kommen. Statt für die Uckermark oder die Oberpfalz werden sich junge Mediziner dann lieber gleich für die Arbeit im Ausland, in der Schweiz oder in Skandinavien entscheiden, wo sie mehr verdienen und die Arbeitsbedingungen besser sind.

Mit einer ganzen Reihe von Einzelmaßnahmen - angefangen von finanziellen Anreizen, einer engeren Zusammenarbeit von Ärzten und Kliniken bis hin zur Aufhebung der Residenzpflicht (ein Arzt muss da wohnen, wo er praktiziert) - versucht Bahr nun, junge Mediziner aufs Land zu locken. Noch ist der Ärztemangel erst in einigen Regionen spürbar. Doch der demografische Wandel schreitet mit Macht voran. Das "Landärztegesetz" wird dazu beitragen, die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung der Menschen auch in Zukunft zu sichern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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