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Das Klischee der bösen Stiefmutter

KINDERKOMMISSION

Wie das geht - entgegen dem Klischee -, eine gute Stiefmutter zu sein, kann eigentlich niemand sagen. Dieser Ansicht ist zumindest Katharina Grünewald von der Beratung für Patchworkfamilien. oBWOHL die Rolle im Märchen negativ besetzt ist, haben es sich die von der Kinderkommission geladenen Sachverständigen nicht leicht gemacht. Vergangenen Mittwoch legten sie ihre Standpunkte zum Thema "Patchworkfamilien - ein Familienmodell" dar.

13, 6 Prozent der deutschen Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren sind Stieffamilien, so der Fachbegriff. Grünewald sah Kinder in Stieffamilien einer Zwickmühle ausgesetzt: "Sie haben durch die Trennung der Eltern ihr Urvertrauen verloren." Auf der Suche nach Halt würden sie dazu neigen, sich eine neue Ordnung schaffen zu wollen. "Sie zeichnen sich durch erhöhte Anpassungsfähigkeit aus und möchten pflegeleicht sein, weil die Erwachsenen genug Probleme haben." Der Preis dafür sei die permanente Überforderung. Die könnten gute Stiefeltern nur verhindern, indem sie sich für klare Regeln einsetzen. "Sowohl zwischen den getrennten leiblichen Eltern als auch den neuen Partnern", sagte Grünewald. Sonst gebe es eine Vielzahl von Fallstricke, die Alfred Luttermann von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie untersucht hat. "Für die Stiefmutter ist es schwierig, zu den Kindern Kontakt zu finden, weil sie nicht von ihnen ausgewählt wurde", sagte er. Deshalb würden sie sich oft überfürsorglich verhalten und bei Abweisung frustriert sein. Vielleicht ein Grund, der für das Klischee verantwortlich ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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