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Verena Renneberg
Neue Form am alten Ort

BERLINER STADTSCHLOSS Projektleiter präsentiert »Humboldt-Forum« im Kulturausschuss

"Wir haben den Anspruch, einen neuen Typus von Museum zu erfinden", beschreibt der Schweizer Projektleiter Martin Heller seine Vision und die Arbeiten am Berliner "Humboldt-Forum". Ziel sei es, "einen zeitgenössisch ausgerichteten Kulturbetrieb" in direkter Nachbarschaft zu den zahlreichen nahegelegenen Kulturgütern und Sehenswürdigkeiten Berlins zu schaffen. Der Schweizer hatte vergangenen Mittwoch im Rahmen einer öffentlichen Anhörung dem Kulturausschuss des Bundestags Inhalte, Ziele und Zeitpläne der Ausgestaltung des neuen Berliner Stadtschlosses präsentiert.

Bewegte Geschichte

Hinter den rekonstruierten Außenfassaden soll dann das "Humboldt-Forum" entstehen. Das ehemalige Stadtschloss soll am Original-Standort im Berliner Stadtteil Mitte wieder aufgebaut werden. Das historische Schloss, dessen erste Bauphase 1443 begonnen hatte, erhielt seine finale Gestalt erst 1854, allerdings nur für kurze Zeit. Nach der Novemberrevolution von 1918 wurde das Schloss zunächst zu einem Museum transformiert. Anschließend nutzten es dann zahlreiche andere Mieter, unter ihnen die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft für ihre Zwecke. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg sehr stark beschädigt wurde, entschied das SED-Regime 1950, das Stadtschloss zu sprengen. Von 1973 bis 1976 wurde an gleicher Stelle der Palast der Republik errichtet, der wiederum von 2006 bis 2008 abgerissen wurde.

Zukunft gestalten

Nun soll das Stadtschloss bis 2019 neu errichtet werden, die Grundsteinlegung wird im Sommer 2013 erfolgen. Projektleiter Martin Heller berichtete im Kulturausschuss über die Pläne der Organisatoren, Alt und Neu zu verknüpfen. Die historische Fassade soll demnach im Innern auf zeitgenössische Weise ein Forum für Kultur, Kunst und auch Wissenschaft bieten.

Herzstück Agora

Bauherr des Projekts sei die "Stiftung Preußischer Schlösser", informierte Heller. Die Gestaltung der Innenräume werde sich die Stiftung mit den Zentral- und Landesbibliotheken Berlins sowie der Humboldt-Universität teilen. Herzstück des neuen Schlosses solle die sogenannte Agora werden, ein Schauplatz und Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss mit Ausstellungsräumen. Die Agora solle in Anlehnung an das gleichnamige antike Pendant, nämlich die Markt- und Versammlungsplätze der alten Griechen, gestaltet werden.

Abschließend führte der 59-jährige Projektleiter aus, dass sich eine zweisprachige Internetseite des Projekts momentan im Aufbau befände. "Beim Wunsch, regelmäßig über den Stand des Projekts informiert zu werden, rennen Sie bei mir offene Türen ein", sagte er in der anschließenden kurzen Gesprächsrunde mit den Mitgliedern des Ausschusses. Die Frage nach den Zielgruppen beziehungsweise der Zielgruppe des "Humboldt-Forums" wollte er allerdings noch nicht beantworten. Seinen Angaben zufolge werden sich die Projektverantwortlichen selbst diese Frage erst in den kommenden Jahren stellen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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