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RENTE MIT 67 VERSCHIEBEN?Gastkommentar
Ulrike Herrmann
Nicht vor 2020

Schon der Titel ist zynisch: "Rente mit 67". Denn er impliziert, dass die meisten Beschäftigten bis zur offiziellen Altersgrenze arbeiten würden. Doch nichts ist ferner der Realität. Viele Deutsche gehen sehr früh in den Ruhestand. Von den 60- bis 64-jährigen arbeiten ganze 26,4 Prozent - und viele davon Teilzeit. Eine echte Vollzeitstelle bekleiden nur 18,7 Prozent.

Die meisten Beschäftigten scheiden dabei nicht etwa freiwillig aus dem Berufsleben aus. Sie sind krank oder arbeitslos. Wenn ab 2012 das Rentenalter schrittweise auf das 67. Lebensjahr verschoben wird - dann wird damit faktisch nur die Rente gekürzt.

Dabei ist die Rente mit 67 eigentlich eine richtige Idee, denn die Deutschen leben immer länger - und sie sind auch länger gesund. 1960 wurde die Rente bei den Männern durchschnittlich 9,6 Jahre ausgezahlt. Heute sind es mehr als 15 Jahre. Zudem wachsen immer weniger Junge nach, die diese Renten zahlen sollen.

Doch ist die Rente mit 67 nur gerecht, wenn die Älteren auch einen Job finden. Die Lebensarbeitszeit darf also erst verlängert werden, wenn Vollbeschäftigung herrscht. Das mag utopisch klingen, doch ist diese Zeit nicht mehr fern. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat kürzlich berechnet, dass das "Erwerbspersonenpotenzial" bis 2025 um 3,6 Millionen Menschen sinken wird. Denn die Babyboomer verlassen den Arbeitsmarkt, während nur wenige Jugendliche nachdrängen. Dann werden alle gebraucht, auch die Älteren.

Die Frage ist also nicht, ob man die Rente mit 67 einführen sollte - sondern wann. Sie sollte auf das Jahr 2020 verschoben werden. Denn dann haben die Arbeitnehmer tatsächlich eine Chance, dass sie ihren Beruf bis zur Rente ausüben können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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