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Tatjana Heid
Alphabetisierung soll gefördert werden

BILDUNG Bund und Länder planen »Grundbildungspakt«. SPD mit eigenem Antrag

Im Bildungsbereich steht im Jahr 2012 unter anderem die Alphabetisierung im Fokus. So wird sich der Bildungsausschuss mit einem "Grundbildungspakt" beschäftigen, auf den sich Bund und Länder geeinigt haben. Die SPD-Fraktion hatte bereits im Frühjahr 2011 in einem eigenen Antrag (17/5914) einen Grundbildungspakt gefordert. Ziel der Abgeordneten ist es, die Zahl der Analphabeten in Deutschland zu halbieren. Nach Plänen der SPD soll der Bund jährlich mindestens 20 Millionen Euro für den Pakt bereitstellen. Im Februar gibt es zu dem Thema ein öffentliches Fachgespräch im Bildungsausschuss.

Statistik

Eine 2010 vom Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie hat ergeben, dass in Deutschland rund 2,3 Millionen Analphabeten leben. Sie können einzelne Wörter lesen und schreiben, aber keine ganzen Sätze. Rund 7,5 Millionen Menschen sind darüber hinaus von funktionalem Analphabetismus betroffen: Sie können einzelne Sätze lesen oder schreiben, jedoch keine Texte. Von ihnen sind laut Studie etwa 57 Prozent erwerbstätig.

Der Grundbildungspakt soll sich nach Regierungsplänen in mehrere Bereiche gliedern und Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und weitere gesellschaftliche Akteure vernetzen. Unter anderem sollen Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz ausgebaut werden und die Unternehmen für Grundbildungsdefizite sensibilisiert werden. Alphabetisierung soll zudem Bestandteil der Arbeitsmarktförderung werden: Die Unterstützung der Lese- und Schreibkompetenz soll dazu beitragen, Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Auch außerhalb von Arbeitsplatz und Arbeitsmarkt sind Initiativen geplant: Länder und Kommunen wollen Grundbildungszentren in Volkshochschulen oder Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Familienzentren und Schulen schaffen.

Ergänzend soll die Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit weiter professionalisiert und die Forschung zu diesen Themen ausgeweitet werden. So wird ein Programm zur arbeitsplatzorientierten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Alphabetisierung und Grundbildung mit rund 20 Millionen Euro starten.

Unis und Hochschulen

Auch die Hochschulen werden die Bildungspolitiker in diesem Jahr beschäftigen: So könnten die doppelten Abiturjahrgänge auch in diesem Jahr noch eine Herausforderung darstellen. Der Qualitätspakt Lehre geht in die zweite Förderrunde, zudem sollen die Geistes- und Sozialwissenschaften stärker gefördert werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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