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Jörg Biallas
Nachhaltige Botschaft

VON JÖRG BIALLAS

Immer am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945, gedenkt die Nation der Opfer des Nationalsozialismus. Angesichts des unvorstellbaren Leids Millionen Verfolgter des NS-Regimes kann das Gedenken in Deutschland niemals ein Akt der Routine sein. Die stets bewegten und bewegenden Worte, die aus diesem Anlass aus dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages in die Welt gehen, sind dafür beeindruckender Beleg.

Der diesjährige 27. Januar war jedoch ein besonderes Datum. Aus historischer Sicht, weil eine Woche zuvor der 70. Jahrestag jener Konferenz am Wannsee zu verzeichnen war, bei der hochrangige Nazis die strategische Durchführung des Völkermords an den Juden geplant hatten. Aber auch im Hier und Heute, weil die von Ausländerhass motivierte Mordserie auf erschreckende Weise gewahr werden ließ, wie unterschätzt die tatsächliche Gefahr ist, die von gewaltbereiten Neonazis ausgeht.

Um die näheren Umstände dieses Killerkommandos zu erhellen, hat der Bundestag einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Darüber hinaus wurden in der vergangenen Woche weitere Themen, die in die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zurückreichen, verhandelt: der Antisemitismus-Bericht, der Erhalt von Holocaust-Gedenkstätten in Polen, die Rentenzahlung nach dem Ghetto-Rentengesetz und die Akten des Bundesnachrichtendienstes zur NS-Vergangenheit.

Die dunklen Schatten der vermeintlich im Licht einer großen Zukunft strahlenden Nazi-Ideologie, die in Wahrheit von Menschenverachtung, Herrschsucht und Größenwahn geprägt war, reichen bis in die Gegenwart. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung für jeden einzelnen Demokraten, diesem Gedankengut entschieden ablehnend zu begegnen. Jeder an seinem Platz: innerhalb, aber natürlich auch außerhalb von Parlamenten, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in Schulen, Universitäten oder U- und S-Bahnen.

Es gibt viele Beispiele couragierten Verhaltens von Bürgern gegen Rechtsextremismus, die Mut machen, doch besteht dennoch kein Grund zur Sorglosigkeit. Im Gegenteil: Ein Leben in Frieden und Freiheit ist nicht umsonst zu haben, schon gar nicht selbstverständlich, und muss vehement verteidigt werden. Auch diese Botschaft geht von dem Gedenken an den 27. Januar 1945 aus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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