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Tatjana Heid
Damit sich das Alter lohnt

FORSCHUNG Bundesregierung stellt Agenda für den demografischen Wandel vor

Peter Röhlinger gab sich gut gelaunt. "Carpe diem", schmetterte er seinen Abgeordnetenkollegen entgegen. Nutze den Tag! Das Alter lohnt sich! Das könne er aus Erfahrung sagen, betonte der 72-jährige FDP-Abgeordnete bei der Debatte um die Forschungsagenda für den demografischen Wandel. Titel: "Das Alter hat Zukunft". Zumindest die Opposition wollte sich am vergangenen Freitag von dem Optimismus allerdings nicht anstecken lassen. Keine neuen Impulse, dafür eine zu starke Konzentration auf ältere Menschen und auf den Bereich Technik, kritisierte sie das als Unterrichtung (17/8103) vorliegende Papier. Ziel der Agenda ist es demnach, grundlegende Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen zu erforschen und Lösungen für ein "langes und gesundes Altern" zu entwickeln. Relevante Fragestellungen der Forschung zum demografischen Wandel sollen zusammengefasst und wichtige Handlungsfelder aufgezeigt werden.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerung in Deutschland von derzeit rund 82 Millionen Menschen auf 65 bis 70 Millionen im Jahr 2060 zurückgehen. Gleichzeitig wird der Anteil der Älteren steigen: Während der Anteil der unter 20-Jährigen bis 2030 von heute 19 Prozent auf 17 Prozent sinken wird, wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren bis 2030 um ein Drittel auf 29 Prozent steigen.

»Alter Wein«

Die deutsche Gesellschaft werde weniger, älter und kulturell vielfältiger, sagte Forschungsministerin Annette Schavan (CDU). Hier solle die Forschungsagenda ansetzen. Schavan wies darauf hin, dass es dabei nicht vorrangig um technische Entwicklungen gehen soll.

Das sah die Linksfraktion anders. Von den von der Bundesregierung für die Forschungsagenda in den Jahren 2012 bis 2016 vorgesehenen 415 Millionen Euro flössen allein 360 Millionen in Technologieentwicklung, sagte ihre forschungspolitische Sprecherin Petra Sitte. Soziale Innovationen müssten jedoch gleichermaßen berücksichtigt werden. Dem pflichtete Franz Müntefering (SPD) bei. Zum demografischen Wandel gehörten alle Generationen. Es sei "kein Hedonismus", dass junge Menschen immer weniger Kinder bekämen. Wie solle eine Familiengründung möglich sein, wenn man nur einen einjährigen Arbeitsvertrag hat, wollte er wissen. "Alter Wein in neuen Schläuchen", urteilte die demografiepolitische Sprecherin der Grünen, Tabea Rößner, über die Agenda. Viele der genannten Forschungsvorhaben liefen seit Jahren.

Mit der Agenda werde Effektivität gewährleistet, sagte Ewa Klamt (CDU). Auf die Kritik der Opposition, es gebe keine konkreten Ansätze, wies sie auf 20 Forschungsprojekte zum Alter hin, die ab diesem Jahr von der Bundesregierung gefördert werden. Bei aller guten Laune wies Röhlinger darauf hin, dass es neben der Verantwortung des Gesetzgebers auch eine Eigenverantwortung gebe - etwa zur gesundheitlichen und finanziellen Vorsorge.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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