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VOR 10 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Lob vor dem Bundestag

28. Februar 2002: Annan im Plenum

Eine Rede im Plenarsaal des Bundestages zu halten ist ein Privileg. Und dass Nichtparlamentarier vor den deutschen Volksvertretern sprechen dürfen, eine Ausnahme. Nur 33 ausgewählten Persönlichkeiten wurde diese Ehre bislang zuteil. François Mitterand zum Beispiel, oder Papst Benedikt XVI. Am 28. Februar 2002 sprach mit Kofi Annan erstmals ein UN-Generalsekretär vor dem Hohen Haus.

Unter dem Eindruck des noch jungen Afghanistan-Einsatzes machte Annan das Thema Friedenssicherung zum Mittelpunkt seiner Rede. Dabei lobte der Ghanaer zwei Dinge: Das deutsche Engagement am Balkan, und dass Deutschland die Führungsrolle beim Aufbau einer professionellen Polizei für Afghanistan übernehme. Es habe ihn beeindruckt, sagte Annan weiter, "wie Sie über die in Ihrer Geschichte begründeten Hemmungen bezüglich Ihrer Rolle in der Welt, und das gilt auch für die Entsendung von Truppen, hinausgewachsen sind und eine Mitverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit übernommen haben".

Gleichzeitig warb der Friedensnobelpreisträger für eine Verlängerung des Isaf-Mandats in Afghanistan, das im Juni 2002 ausgelaufen wäre. Ein Abzug der UN-Truppen sei erst dann denkbar, wenn es eine Perspektive für das Land gebe. Ein Zeitfenster für einen Abzug formulierte Annan nicht, war sich aber bewusst: "Kein Staat will seine Truppen auf unbegrenzte Zeit in einem fremden Land stationiert wissen, ohne dass ein politisches Ergebnis in Sicht wäre." Dass auch zehn Jahre später internationale Truppen am Hindukusch stationiert sind, konnte er nicht ahnen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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