Inhalt

MEHR EUROPA?
Stefanie Bolzen
Nur gemeinsam stark

Griechenland und Euro-Krise: Beide Begriffe lassen die Bürger nicht los. Ein Brüsseler Gipfel jagt den nächsten, dem gerade abgesegneten und heftig umstrittenen Milliardenpaket soll schon wieder das nächste folgen. Die Rechnung begleichen am Ende die Steuerzahler. Dass die Griechen wirklich sparen wollen, glaubt kaum noch jemand. Das riesengroße Misstrauen ins Projekt Europa ist verständlich - und trotzdem brauchen wir gerade jetzt mehr davon: mehr Zusammenarbeit, mehr Transparenz, mehr Wettbewerbsfähigkeit und vor allem mehr Kontrolle. Schafft die Europäische Union es nicht, aus der Krise geeint herauszukommen, wird sie global in der Bedeutungslosigkeit versinken. Noch werden Kanzlerin und EU-Spitze überall mit offenen Türen empfangen, wie dieser Tage in Peking. Noch generiert die EU mit nur sieben Prozent der Weltbevölkerung ganze 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.

Den Rückzug in die Kleinstaaterei aber kann sich Europa mit seiner alternden Bevölkerung nicht leisten. Es muss als gemeinsamer Markt attraktiv und durch seine Währung stark bleiben. Und gerade Deutschland sollte sich nichts vormachen: Der volkswirtschaftliche Reichtum basiert vor allem auf einem überaus erfolgreichen Export - der zu 60 Prozent in unsere EU-Nachbarländer geht. Natürlich war deren Solvenz eine Blase. Aber ob Euro- Zone, EU oder einzelne Mitgliedstaaten: Die Krise hat eine gewaltige Reformwelle ausgelöst, an deren Ende finanzielle und strukturelle Konsolidierung stehen muss, auf nationaler wie Euro-Ebene: Wer im Club dabei sein will, muss sich schon jetzt einem viel härteren Regime unterwerfen. So wird Europa gestärkt aus der Krise herausgehen, weil es sich ihr gemeinsam stellt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag