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Julia Macher
Kurz notiert

BARCELONA

Es war eine Mischung aus Fern- und Heimweh, die Mette Aagaard Jakobsen 2003 nach Barcelona geführt hat. Nach langen Reisen durch Asien - durch Nepal, Indien, Thailand - suchte die Dänin gemeinsam mit ihrem deutschen Lebensgefährten einen Ort zum Bleiben. Irgendwo am Meer, irgendwo im Süden sollte er liegen, aber dennoch nicht zu weit weg von ihren Familien: Die Wahl fiel auf Barcelona. "Auch wenn mich die asiatische Kultur fasziniert, bevorzuge ich zum Leben Europa", sagt Mette Aagaard, 36 Jahre alt. "Ich fühle mich den Menschen hier einfach verbundener, kann mit allen ins Gespräch kommen."

Der Spaß am täglichen Miteinander war wohl auch ein Grund, warum die Weltenbummlerin nach Jahren auf Kunsthandwerks- und Mittelaltermärkten im November 2010 ihr eigenes Geschäft eröffnet hat, "Home on earth", einen Laden für nachhaltiges Design. Auf dem Boden des hellen Lokals im Altstadtviertel Raval reihen sich Filzpantoffeln in allen Größen und Farben, daneben liegen bunte Teppiche, an einer Kleiderstange hängen Sweat-Shirts und Jacken. Die Entwürfe stammen von der Chefin selbst, einer ausgebildeten Grafik-Designerin. Produziert wird in Indonesien und Nepal, von ihr persönlich mitbetreuten Projektwerkstätten, zu fairen Preisen. Möbel aus nachhaltig erwirtschaftetem Holz und handgefertigte Baby-Kleidung aus Bio-Materialien ergänzen das Angebot. In einer sendungsbewussten, kosmopolitischen Stadt wie Barcelona funktionieren solche Konzepte gut, auch in Krisenzeiten.

Während Mette Aargard ein paar Kunden skandinavische Lampen zeigt, passt eine Kollegin auf, dass der einjährige Vigo nicht auf die Straße krabbelt; der drei Jahre ältere Noe spielt hinterm Verkaufstresen Computer. Von Elternzeit oder einem Betreuungsangebot wie in Dänemark kann man in Spanien nur träumen, der Alltag mit Kind fordert einiges an Organisation. Manchmal fehle ihr solcher Komfort, dann vermisst sie nordeuropäische Effizienz. "Dafür nehmen sich die Menschen hier mehr Zeit füreinander."

Mit ihren Söhnen spricht Aagaard dänisch, der Vater deutsch, untereinander unterhält sich das Paar auf Englisch. Von Freunden und auf der Straße hören die Kinder überwiegend spanisch; spätestens in der Schule wird mit Katalanisch eine fünfte europäische Sprache dazukommen. In welcher Sprache sie sich einmal heimisch fühlen werden? Mette Aagard zögert einen Moment, sagt dann: "Mir ist es schon wichtig, dass sie meine Sprache sprechen und verstehen. Aber welchem Land sie sich zugehörig fühlen, ist Nebensache." Vielleicht sind sie ja tatsächlich einmal das, was "Home on Earth" nahe legt: zu Hause in der ganzen Welt - oder zumindest in Europa.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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