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Claudia Heine
Zu viele Ungereimtheiten

Chronik Im Dezember 2011 tauchten erste Vorwürfe gegen Wulff auf. Seitdem kamen ständig neue hinzu

Von der Inanspruchnahme eines günstigen Privatkredits über kostenlose Urlaube bei Unternehmern bis zur staatlichen Mitfinanzierung einer umstrittenen Lobby-Veranstaltung: Christian Wulff sah sich vielen Vorwürfen ausgesetzt. Ein Rückblick:

25. Oktober 2008:

Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses.

18. Februar 2010:

Wulff antwortet auf eine mündliche Anfrage im niedersächsischen Landtag, dass es zwischen ihm und dem Unternehmer Egon Geerkens in den vergangenen zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben habe.

12. Dezember 2011:

Wulff versucht, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zu erreichen, um einen Bericht zur Finanzierung seines Privathauses zu verhindern oder zu verschieben. Auf der Mailbox droht er Medienberichten zufolge den "endgültigen Bruch" und "Krieg" mit Springer an, falls die Geschichte erscheint.

13. Dezember:

Die "Bild"-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs umstrittene Hauskauf-Finanzierung.

15. Dezember:

Wulff bedauert, den Kredit von Edith Geerkens vor dem niedersächsischen Landtag nicht erwähnt zu haben.

18. Dezember:

Es gibt neue Vorwürfe gegen Wulff im Zusammenhang mit Gratis-Urlaubsaufenthalten in Häusern befreundeter Unternehmer. Aus einer Liste, die Wulffs Anwaltsbüro veröffentlicht, geht hervor, dass er zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Mal im Urlaub zu Gast bei Unternehmern war. In der Erklärung zu der Liste heißt es, die Urlaube hätten keinen Bezug zu Wulffs öffentlichen Ämtern gehabt.

22. Dezember:

Der Bundespräsident entschuldigt sich öffentlich für die entstandenen Irritationen. Zugleich entlässt er seinen Sprecher Olaf Glaeseker.

4. Januar 2012:

Wulff gibt ARD und ZDF ein Interview, in dem er den Anruf bei Diekmann als "schweren Fehler" bezeichnet und volle Transparenz bei allen Fragen ankündigt. Am Folgetag veröffentlicht sein Anwalt aber nur eine zusammenfassende Stellungnahme.

19. Januar:

Wegen Korruptionsverdachts lässt die Staatsanwaltschaft Hannover Glaesekers Haus und Büros durchsuchen. Glaeseker wird vorgeworfen, über die niedersächsische Staatskanzlei die Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" des Event-Veranstalters Manfred Schmidt gefördert zu haben. Weil er dafür möglicherweise Gegenleistungen erhielt, wird gegen Glaeseker wegen Bestechlichkeit ermittelt.

21. Januar:

Nach Medienberichten hat Niedersachsens Landesregierung mehrere Tausend Euro für den "Nord-Süd-Dialog" bezahlt - für eine Publikation, die während der Veranstaltung als Geschenk verteilt wurde.

8. Februar:

Der Filmunternehmer David Groenewold soll 2007 einen Luxus-Kurzurlaub der Familie Wulff auf Sylt zunächst bezahlt haben, berichtet die "Bild"-Zeitung. Im selben Jahr erhielt der Filmunternehmer eine Bürgschaftszusage des Landes Niedersachen. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft den Fall.

16. Februar:

Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität von Bundespräsident Wulff. Es gebe einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung.

17. Februar:

Wulff tritt zurück. Bundeskanzlerin Merkel kündigt an, mit der Opposition einen gemeinsamen Kandidaten für dessen Nachfolge zu suchen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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