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Benjamin Stahl
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10. März 1952: Stalin-Note

Wo verlaufen die deutschen Grenzen? Bleibt das Land geteilt? Darf es einem Militärbündnis beitreten? Anfang der 1950er Jahre stand ein Thema ganz oben auf der weltpolitischen Agenda: die Deutschlandfrage. Am 10. März 1952 startete der sowjetische Partei- und Regierungschef Josef Stalin mit der sogenannten Stalin-Note einen Versuch zur Lösung des Problems -wohl nicht ohne Hintergedanken.

In dem Schreiben an die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und der USA bot Stalin einen Friedensvertrag und die deutsche Wiedervereinigung an. Seine Bedingungen: Die deutschen Grenzen, wie sie die Potsdamer Konferenz 1945 festgelegt hatte, sollten bestehen bleiben und Deutschland müsse nach dem Abzug der ausländischen Truppen neutral sein. Am 25. März lehnten die Westmächte die in der Note geforderten Verhandlungen über einen Friedensvertrag - dessen Fehlen Stalin in der Note sieben Jahre nach Kriegsende als "unnormalen Zustand" bezeichnete - mit der Billigung und auf Wunsch von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) ab. Sie waren gegen die Neutralitätspflicht eines wiedervereinigten Deutschlands und forderten, dass gesamtdeutsche Wahlen unter UN-Aufsicht Friedensverhandlungen vorausgehen müssten.

Zudem zweifelte der Westen an den Motiven, die hinter der Stalin-Note steckten. Die Westmächte und Adenauer selbst glaubten, dass Moskau nicht daran dachte, das DDR-Regime aufzugeben, und mit dem Vorstoß die Westintegration der Bundesrepublik stören wollte. In den inzwischen teilweise geöffneten Moskauer Archiven fanden Historiker Hinweise dafür, dass man mit dieser Einschätzung wohl richtig lag.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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