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Alexander Weinlein
Hilfen gegen Analphabetismus

BILDUNG

Deutlich größere Anstrengungen im Kampf gegen den Analphabetismus in Deutschland fordern die Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung, den Bundesländern und den Kommunen. Der Bundestag überwies die entsprechenden Anträge (17/8765, 17/8766) der beiden Fraktionen am vergangenen Donnerstag in erster Lesung zur weiteren Beratung in die Ausschüsse.

Die Linksfraktion verlangt von der Regierung ein Zehn-Jahres-Programm in Höhe von mindestens 3,6 Milliarden Euro, um die Zahl der Analphabeten zu halbieren. Gemeinsam mit den Bundesländern müssten zudem dauerhafte Finanzierungsmodelle für den quantitativen und qualitativen Ausbau der Grundbildung und der Alphabetsierungskurse in der Erwachsenenbildung und im Bereich der Integrationskurse entwickelt werden.

Die Grünen fordern unter anderem ein Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz, um die Anreize zur Weiterbildung zu bündeln. Insbesondere für Menschen mit niedrigen Einkommen und geringer Grundbildung müssten die Angebote verbessert werden. Für Migranten sollen die zielgruppengerechten Alphabetisierungsangebote im Rahmen der Integrationskurse ausgebaut werden. Die Grünen sprechen sich zudem für eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen die Stigmatisierung von Analphabetismus und zur Ermutigung der betroffenen Menschen aus.

Beide Fraktionen verweisen auf die Ergebnisse der "Level-One-Studie", der zufolge 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 von funktionalem Analphabetismus betroffen sind. Dies entspreche gut 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung. Rund 58 Prozent der Analphabeten haben nach Angaben der Studie Deutsch als Muttersprache gelernt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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