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Rolf Obertreis
Hinter China und Südkorea

Griechenland II Das Land ist in der Wirtschaftsleistung auf Platz 34 abgerutscht

Die Unterschiede sind beträchtlich und die Schere wird in den nächsten Jahren vermutlich noch weiter aufgehen. Alle Zahlen und die Tendenzen deuten darauf hin: Mit einem realen, preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) - der Summe aller im Inland hergestellten Produkte und erbrachten Dienstleistungen - von 2.571 Milliarden Euro gehörte Deutschland auch 2011 zu den führenden Wirtschaftsnationen. Um drei Prozent konnte die Wirtschaft zulegen. In Griechenland dagegen ging es um 6,8 Prozent nach unten, das BIP lag bei 182,8 Milliarden Euro. Legt man die Wirtschaftsleistung auf jeden Griechen um, dann ist das Land mittlerweile laut Internationalem Währungsfonds (IWF) auf Platz 34 etliche Positionen hinter China oder auch Südkorea abgerutscht.

Im Schnitt spürt jeder Arbeitnehmer und auch jeder Rentner in Griechenland die Talfahrt. Bei rund 2.950 Euro lag das durchschnittliche monatliche Brutto-Arbeitnehmerentgelt im dritten Quartal 2011 in Deutschland, rechnet die Deka Bank vor. In Griechenland dagegen waren es rund 2.100 Euro. Rentner müssen dort laut Eurostat im Schnitt mit knapp 500 Euro auskommen, in Deutschland sind es gut 1.200 Euro im Westen und knapp 1.100 Euro im Osten. Beim Pro-Kopf-Einkommen liegen die knapp elf Millionen Griechen Angaben des IWF zufolge mit zuletzt knapp 27.900 Dollar (etwa 21.000 Euro) deutlich hinter den Deutschen mit 44.500 Dollar (rund 33.400 Euro).

Es sieht düster aus Auch beim Staat sieht es in Griechenland düster aus. Die Staatsverschuldung gemessen am BIP lag 2011 laut IWF bei 166 Prozent nach 145 Prozent ein Jahr zuvor. Nur in Japan ist die Quote mit 233 Prozent höher. Absolut ist Griechenland mit fast 370 Milliarden Euro verschuldet. In Deutschland sind es nahezu 2.100 Milliarden Euro. Allerdings lag das Defizit des Staates hierzulande 2011 bei nur einem Prozent, in Griechenland waren es Schätzungen der EU zufolge minus neun Prozent. Um die Auflagen des zweiten Rettungspaketes zu erfüllen (siehe Seite 4), hat das griechische Parlament zuletzt vergangene Woche eine Reihe von Sparmaßnahmen über drei Milliarden Euro beschlossen: gekürzt werden soll bei den Renten, im Gesundheitssystem, aber auch bei den Rüstungsausgaben. Zugleich wurde das Defizitziel für 2012 auf 6,7 Prozent des BIP nach oben korrigiert. Eigentlich waren 5,4 Prozent angestrebt worden.

Weniger dramatisch als in Griechenland ist den Daten zufolge die Lage in den anderen südeuropäischen Krisenländern, zumal dort die Anstrengungen zur Bewältigung der Krise und zur Umsetzung von Reformen weiter gediehen sein sollen. Aber die Probleme auch dort sind weiter immens. Die Staatsschulden weisen überall nach oben. Laut EU beläuft sich die Staatsverschuldung in Italien aktuell auf 120,5 Prozent des BIP nach 118,4 Prozent im Jahr 2010. In Portugal stieg die Quote von 93,3 auf 101,6 Prozent, in Spanien von 61 auf 69,6 Prozent. Immerhin: Die Defizite in den jeweiligen Staatshaushalten gehen zurück. In Italien dürfte es laut EU 2011 auf 4,0 von zuvor 4,6 Prozent gesunken sein. In Spanien verbesserte sich die Quote im vergangenen Jahr auf minus 6,6 von 9,3 Prozent und in Portugal zeigt sich eine Verbesserung von minus 9,8 auf minus 5,8 Prozent.

Damit reißen die Südländer freilich nach wie vor die Defizitvorgabe für die Europäische Währungsunion von maximal minus 3,0 Prozent immer noch sehr deutlich. Zumindest in Spanien und Italien ist die Wirtschaft aber 2011 mit 0,7 und 0,3 Prozent immerhin leicht gewachsen. Portugal steckte mit einem Rückgang von minus 1,9 Prozent laut der Europäischen Union in der Rezession. Die Stabilisierung in den drei südlichen Ländern zeigt sich mittlerweile auch in den Renditen. Während beispielsweise Italien für zehnjährige Staatsanleihen im Sommer vergangenen Jahres noch eine hohe Rendite von fast 7,3 Prozent bieten musste, ging es im Dezember auf 6,9 Prozent zurück. Am vergangenen Donnerstag waren es dann nur noch 4,91 Prozent.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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