Inhalt

Monika Pilath
Der große Unterschied

GEHALT Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer

Nirgendwo in Europa ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Das geht aus einer neuen Datenbank der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die seit vergangener Woche zugänglich ist. Danach verdient eine vollbeschäftigte Frau hierzulande 21,6 Prozent - mehr als ein Fünftel - weniger als ein Mann. Der OECD-Durchschnitt liegt den Angaben zufolge bei einem Lohngefälle von 15,9 Prozent. Den geringsten Unterschied weist demnach Norwegen mit 8,7 Prozent auf. Die Datenbank erfasst den mittleren Verdienst aller erwerbstätigen Frauen und Männer. Die Daten stammen aus dem Jahr 2009, der OECD zufolge das jüngste Jahr, "das einen umfassenden Vergleich zulässt". Die OECD führt das Gefälle zwischen den Geschlechtern vor allem darauf zurück, dass Frauen in der Regel in schlechter bezahlten Branchen arbeiten.

Öfter in Teilzeit

Hinzu kommt, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) und das Statistische Bundesamt (Destatis) unisono anlässlich des Internationalen Frauentages bilanzierten, dass Frauen "deutlich öfter in Teilzeit" arbeiteten. Nach Destatis-Angaben waren im Jahr 2010 in Deutschland insgesamt 69,6 Prozent der 20- bis 64-jährigen Frauen erwerbstätig. Von diesen arbeiteten 45,6 Prozent in Teilzeit und 54,4 Prozent in Vollzeit. Im EU-Durchschnitt lag die Teilzeitquote mit 30,8 Prozent erheblich niedriger. Laut Destatis führt jede zweite Frau als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit die Betreuung von Kindern beziehungsweise Pflegebedürftigen oder andere familiäre und persönliche Verpflichtungen an.

Zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt ergänzte die BA, dass Frauen häufiger langzeitarbeitslos seien und damit im Geschlechtervergleich das höhere Risiko trügen, arbeitslos zu bleiben. Laut BA lag die Quote sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung von Frauen im Juni 2011 bei 48,7 Prozent. Bei Männern liegt dieser Wert bei 56 Prozent. In Minijobs arbeiteten den Angaben zufolge im Juni 2011 fast doppelt so viele Frauen (3,2 Millionen) wie Männer (1,7 Millionen).

Zumindest mittelfristig besteht für Frauen jedoch die Aussicht auf eine Verbesserung. "Frauen haben einen starken Verbündeten, den demografischen Wandel", sagte BA-Vorstand Heinrich Alt in der vergangenen Woche. Die Arbeit bleibe, aber die Arbeitskräfte gingen aus. "Umso dringender müssen wir den Blick auf diejenigen richten, die bisher zum Teil am Rande des Arbeitsmarktes standen", betonte Alt - beispielsweise qualifizierte Frauen, denen wegen fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Zugang zu guten und gut bezahlten Jobs derzeit versperrt ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag