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Hans-Jürgen Leersch
Strom sparen in Küche und Keller

WIRTSCHAFT Stahlindustrie kann ihren Energiebedarf aus physikalischen Gründen kaum noch verringern

Wer Strom sparen und Energie effizienter nutzen will, muss nicht weit gehen: In Küche, Bad und Keller liegen die größten Einsparpotenziale. Mit 55 Terrawattstunden im Jahr würden fast 40 Prozent des privaten Stromverbrauchs in Deutschland auf Elektro-Hausgeräte entfallen, teilten Vertreter der Firma Bosch Siemens Hausgeräte in einer Anhörung des Wirtschaftsausschusses zum EU-Vorschlag für eine Energieeffizienzrichtlinie in der vergangenen Woche mit.

Lange in Betrieb

Durch die lange Nutzungsdauer würden Kaufentscheidungen lange nachwirken. So würden Geschirrspüler zwölf Jahre lang genutzt, Gefriergeräte 17 Jahre. Moderne Hausgeräte würden jedoch nur noch die Hälfte, zum Teil sogar nur ein Drittel des Stroms verbrauchen. "Insgesamt ließen sich durch den Austausch dieser sehr alten Geräte in den Haushalten jährlich rund 15 Terrawattstunden Strom einsparen", hieß es in der Stellungnahme der Firma. Um diese Potenziale zu heben, wurden Anreizprogramme empfohlen. Vorbild könnte die "Abwrackprämie" für alte Autos sein. Gegenstand der Anhörung waren zudem Anträge der Oppositionsfraktionen SPD (17/8159), Die Linke (17/8457) und Bündnis 90/Die Grünen (17/7462), in denen eine wirkungsvolle Ausgestaltung der EU-Richtlinie und eine wirkungsvolle Energieeffizienz gefordert wird.

In der Anhörung warnte die Wirtschaft vor zu scharfen Verpflichtungen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz. So lehnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) "absolute Energieeinsparziele ab, da diese nicht mit dem zyklischen Konjunkturverlauf zu vereinbaren sind, ohne dass dies zu Lasten der Wirtschaftskraft europäischer Unternehmen geht". Der Richtlinien-Vorschlag soll die EU zu einer Senkung des Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent bis zum Jahre 2020 befähigen.

Von der Wirtschaftsvereinigung Stahl hieß es, die deutsche Stahlindustrie habe ihren spezifischen Primärenergieverbrauch seit 1960 um annähernd 40 Prozent gesenkt. "Der Bedarf an Kohlenstoffträgern für den Eisenerz Reduktionsprozess im Hochofen sowie an Schmelzstrom für Elektrolichtbogenofen lässt sich allerdings aus chemischen und physikalischen Gründen kaum noch weiter verringern", hieß es in der Stellungnahme. Die Energieeinsparpotenziale der Stahlindustrie lägen weit unter den von der Politik angestrebten Steigerungsraten. "Vor diesem Hintergrund dürfen die Anforderungen gegenüber energieintensiven Industrien wie der Stahlindustrie nicht überspannt werden", wurde gewarnt.

"Insgesamt setzt der Entwurf zu stark auf starre Planvorgaben und zu wenig auf flexible und effiziente Marktelemente", hieß es vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Daher halte man "überhaupt nichts von dieser Art Verpflichtung". Die Kupfer verarbeitenden "Wieland-Werke" (Ulm) erklärten: "Pauschal für alle Unternehmen sind solche festen Vorgaben kontraproduktiv." Das Ziel der EU-Richtline sei "sehr sportlich".

Dagegen hieß es von der Prognos AG, das mittelfristige Ziel der EU, 20 Prozent Primärenergie einzusparen, liegt in guter Übereinstimmung mit den nationalen Zielen und erfordere aus nationaler Sicht kaum zusätzliche Anstrengungen. Anders als die Industrievertreter ging die deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz davon aus, dass durch Endenergie-Effizienzmaßnahmen bis 2020 bis zu 14 Prozent des Endenergieverbrauchs eingespart werden könnten. Allein mittels Stromeffizienzmaßnahmen könne auf die Kapazität von mindestens zehn Kernkraftwerken verzichtet werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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