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Alexander Weinlein
Kurz notiert

Nein, so wirklich schlauer ist man nach der Lektüre nicht. Wer sich erhofft, das Phänomen "Piratenpartei" besser zu verstehen, der sollte sich trotzdem das Vergnügen gönnen, das schmale Taschenbuch zu lesen. Der Widerspruch zwischen diesen beiden Aussage liegt im Charakter einer Partei, die scheinbar aus dem Nichts entstand, plötzlich in aller Munde war, bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen im September vergangenen Jahres beachtliche 8,9 Prozent der Stimmen einsammelte und derzeit beste Aussichten hat, nicht nur den ein oder anderen weiteren Landtag, sondern auch den Bundestag zu entern.

Die Piraten entziehen sich bislang jeder Einordnung im klassischen Links-Rechts-Schema. Da hilft es auch nicht, Vergleiche mit dem Auftsieg der Grünen vor 30 Jahren zu bemühen. Auch wenn den Etablierten die Öko- und Pazifistenpartei anfangs ähnlich chaotisch organisiert erschien wie die Piraten von heute, so ließ sich doch benennen, für was die Grünen inhaltlich standen. Bei den Piraten ist das abgesehen von ihren Dauerthemen Transparenz und freier Zugang zu Wissen und Information im digitalen Zeitalter deutlich schwieriger.

Das Taschenbuch kommt so kunterbunt daher wie die Piraten selbst. Es bietet eine Mischung aus bereits erschienenen Artikeln prominter Journalisten wie Frank Schirrmacher oder Juli Zeh, Interviews und Eigenbeiträgen von Piraten wie Julia Schramm oder Andreas Baum. Die beiden letzten Kapitel über die namensgebenden echten Piraten auf den Weltmeeren und die Piratensender der 1960er Jahre lassen zumindest durchschimmern, warum sich eine Partei einen solchen Bürgerschreck-Namen verpasst.

Den Autoren gelingt es durchaus, ein Gefühl für die Piraten und ihre Ziele zu vermitteln. Abschließende Antworten können sie hingegen nicht geben. So wie die Piraten selbst. Das tut dem reinen Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Interviews mit Politikern, bei denen man die Antwort meist im Voraus kennt, kann man täglich woanders lesen und hören.

Friederike Schilbach:

Die Piratenpartei. Alles klar zum Entern?

Bloomsbury Verlag, Berlin 2011; 217 S., 7,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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