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AUFGEKEHRT
Verena Renneberg
Die Suche nach dem Licht

Deutschland sieht schwarz. Nein, nicht politisch, denn bekanntlich sind nicht alle Bürger Anhänger der FDP. Und exorbitante Umfragehochs der CDU sind auch nicht gemeint. Sondern das Fernsehen. Kein Aprilscherz!

Inhaltlich scheint diese Behauptung sukzessive spätestens seit der Einführung der Privatsender und ihres schnellen Quotenerfolgs zu gelten. Von den Inhalten haben sich die Zuschauer im tiefsten Inneren (hoffentlich) längst verabschiedet. Obschon sich an dieser Stelle einmal wieder die Frage nach Henne und Ei stellen ließe. Nostalgisch ließe es sich auch leicht werden: Das Fernsehen der guten alten Zeit ... ja, das war noch was, das hatte Niveau: "Dalli, Dalli", "Hitparade", "Wetten, dass..?", "Lindenstraße". Allerdings: Wie sollen die Zeiten des richtig guten alten Fernsehens besser gewesen sein, wenn die Sendungen doch die gleichen waren? Die, die es nicht mehr gibt, so sagen Kritiker, tragen doch bloß andere Titel.

Schwarz sehen werden künftig alle, die das Programm via Analog-Satellit empfangen, denn es wird abgeschaltet - so wie die Atomkraftwerke der Republik, nur eben früher. Am 30. April ist es soweit. Aber es gibt einen Lichtblick auf Röhren, Bildschirmen und Monitoren: das digitale Satellitenfernsehen. Die Umstellung geht automatisch, wahrscheinlich, damit niemand die Zeit zum eigenständigen Denken nutzt. Bloß einen neuen - digitalen - Receiver muss sich der geneigte Zuschauer kaufen. Ob dies eine technologische Neuerung, eine Werbeaktion der TV-Sender oder gar ein perfides Zusammenspiel von Herstellern und Politik ist, die Wirtschaft anzukurbeln, bleibt Spekulation. Sicher ist nur: Das Programm wird dadurch nicht besser werden. Waren das noch Zeiten, als wir bei Wind und Wetter auf dem Dachboden standen und die Qualität des Fernsehbildes noch sprichwörtlich selbst in die Hand nehmen konnten!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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