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ORTSTERMIN: BEIM JUGENDMEDIENWORKSHOP 2012
Laura Therese Schiemann
Diskutieren, hinterfragen, schreiben

Bundestag, Jakob-Kaiser-Haus. Am vergangenen Mittwoch, etwa 11 Uhr. Die Aufzugtür geht auf und Peer Steinbrück steht vor mir. Bisher kenne ich den SPD-Abgeordneten nur aus dem Fernsehen. Wenn man nun die Chance bekommt, so jemanden persönlich zu treffen, was sagt man da? In meinem Fall leider nur ein leises "Hallo". Aber wenn ich ihn das nächste Mal treffe, dann mit Mikrofon und vielen kritischen Fragen im Gepäck - als gestandene Journalistin!

Vielleicht war ja der Jugendmedienworkshop im Bundestag der erste Schritt dorthin. Dieser wird jedes Jahr vom Bundestag, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Jugendpresse organisiert und dieses Mal war ich eine von 30 Teilnehmern. Das Motto in diesem Jahr: "Auftrag Gesellschaft: Zwischen Ehre und Amt - Dein Dienst für die Demokratie?". Die Bilanz: sehr wenig Schlaf, viel Arbeit und die Einsicht, dass moderne Technik zum Redaktionsalltag gehört und einem so manchen Strich durch die Rechnung machen kann. In unserem Fall mussten 29 Teilnehmer aus dem Internet gehen, damit einer eine wichtige E-Mail schreiben konnte - so langsam war das Netz in unserem Hostel, das gleichzeitig als Redaktionsraum diente. Aber Stress und widrige Umstände gehören wohl zum Journalistenalltag - und machen irgendwie auch Spaß.

Im Workshop wurden alle Felder behandelt, die mich interessieren: Politik, Gesellschaft und die Schnittstelle Journalismus. Wir produzierten unsere eigene Ausgabe der Jugendzeitung "politikorange", erfuhren, wie der Bundestag arbeitet und wie Journalismus im politischen Berlin funktioniert. Außerdem konnten wir Abgeordnete aus unseren Wahlkreisen treffen - und mit Fragen löchern. Mein Highlight: Das Gespräch mit dem Verteidigungsausschuss. Dort wollten wir unter anderem wissen, warum Deutschland in Afghanistan einmarschiert ist, sich zur Libyen-Frage im UN-Sicherheitsrat aber enthalten hat. Dabei lernten wir, dass man auch als Jungjournalist nicht mit Samthandschuhen angefasst wird - sondern dass Politiker alle Fragen genauso kritisch durchleuchten, wie wir sie stellen.

Einen Einblick in den "echten" Journalismus erhielten wir bei unseren Hospitationen: Wir besuchten Hauptstadtstudios, Zeitungsredaktionen oder Pressestellen und durften dort mitarbeiten und manchmal sogar etwas schreiben. Dazu gehörten die ARD, Der Spiegel oder die Bundestagspresse - also Redaktionen, in denen wir später alle einmal landen wollen. Diskutieren, Dinge hinterfragen und schreiben - im Jugendmedienworkshop ist mir wieder einmal klar geworden, wie gerne ich diese drei Dinge tue. Als Journalistin möchte ich später an Politik partizipieren, ohne einer Fraktion verpflichtet zu sein. Ich möchte so auf Missstände hinweisen und der Gesellschaft Demokratie näher bringen. Vielleicht hilft die Woche in Berlin dem einen oder anderen ja, sich noch ein Stückchen sicherer mit dem Berufswunsch Journalist zu werden. Mir jedenfalls hat sie geholfen.

Die Autorin ist 20 Jahre alt und war im Rahmen des Jugendmedienworkshops einen Tag lang bei "Das Parlament".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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