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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Vive la Baguette!

Es ist ein gefährliches Spiel, auf das sich McDonald's da einlässt. Ab Mitte April soll der "Grande Nation" neben all den Burgern ein McBaguette serviert werden: belegt mit Rindfleisch, Salat, Senfsoße und Emmentaler. Ob sich das der verwöhnte französiche Gaumen wird gefallen lassen? Das heilige Baguette entweiht von einer amerikanischen Fast-Food-Kette mit Schweizer Käse? Immerhin ist sich die Geschäftsführung des revolutionären Vorstoßes bewusst und will erst nach einer sechswöchigen Testphase endgültig entscheiden, ob das McBaguette dauerhaft auf der Speisekarte bleibt. "Wir werden auf unsere Kunden hören, die sich des Symbolgehaltes durchaus bewusst sind", verkündete Nawfal Trabelsi, Vize-Chef von McDonald's Frankreich, in der vergangenen Woche.

Der Symbolgehalt lässt sich nicht hoch genug veranschlagen. Das Baguette ist eine hochpolitische Angelegenheit. Als die erzürnten Pariser 1789 das Schloss von Versailles stürmten, ging es nicht nur um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - sondern ganz banal um explodierende Brotpreise. Und als Marie Antoinette ihren Untertanen beschied, sie sollten "doch Broiche essen, wenn sie kein Brot haben", da kostete sie das schlicht den Kopf. Die aus der Französichen Revolution resultierende Brotpreisregulierung wurde erst im Jahr 1978 wieder aufgehoben.

Es ist also äußerste Vorsicht geboten im Umgang mit dem 250 Gramm schweren Stangenweißbrot, das aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz bestehen darf, wenn es sich "baguette de tradition" nennen will. Auch Nicolas Sarcozy hat schon erlebt, wie sensibel seine Landsleute reagieren, wenn es um das Baguette geht. Als der Preis vor fünf Jahren erstmals die Ein-Euro-Marke sprengte, rutschte er direkt in den Umfragen ab. Ein verunstaltetes Baguette könnte ihn, wenn denn nicht den Kopf, so aber doch die Präsidentschaft kosten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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