Inhalt

Monika Pilath
Debatte um Cannabis als Medizin

GESUNDHEIT

Cannabis kann Leiden von schwer kranken Menschen lindern - darüber herrscht in der Fachwelt weitgehend Einigkeit. Auch die Pharmaindustrie hat das Potenzial der Pflanze erkannt. In den nächsten Jahren werde in Sachen Zulassung neuer Cannabis-Medikamente etwa zur Behandlung von Tumorschmerzen und Diabetes "noch viel stattfinden", sagte die Vertreterin des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, Heike Niermann, in einer Anhörung des Gesundheitsausschusses vergangene Woche. Diese machte vor allem deutlich, dass Cannabis als Medizin vielen Patienten nicht zugänglich ist. Die Grünen-Fraktion will das mit einem Antrag (17/6127) ändern - und stieß auf ein geteiltes Echo.

Die Bundesärztekammer warnte vor einer Legalisierung von Therapien, die auf im Eigenanbau erzeugtem Cannabis beruhen. Diese könnten "Patienten ernsthaft gefährden", sagte der Anästhesiologe Lukas Radbruch, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Mehrere Experten machten im Gegenzug auf die schwierige Rechtssituation von Patienten aufmerksam, die Cannabis-Medikamente benötigten. Bislang hätten nur rund 60 Patienten vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Ausnahmegenehmigung zur therapeutischen Verwendung von Cannabis erhalten, erläuterte Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband. Doch die monatlichen Therapiekosten in Höhe von bis zu 1.500 Euro müssten die Patienten selbst tragen. "Das können sich die meisten nicht leisten", sagte Gabriele Gebhardt von der Patientenvereinigung Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin.

Patienten "haben im Prinzip keine Chance, legal an Cannabis zu kommen", sagte Wurth. Viele Patienten seien in der Folge bereits zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt worden. Der Rechts-Professor Lorenz Böllinger betonte, der illegale Cannabis-Konsum aus medizinischen Gründen würde bei einer besseren Kostenerstattung deutlich sinken.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag