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Alexander Weinlein
Die Götterdämmerung ist abgesagt

KULTUR Leitung der Bayreuther Festspiele reagiert auf Vorwürfe des bayerischen Rechnungshofes

Mit rund 2,1 Millionen Euro fördert der Bund jährlich die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Kein Wunder, dass Kulturpolitiker aufhorchen, wenn der bayerische Rechnungshof - wie im vergangenen Jahr geschehen - ein eklatantes Missmanagement bei den Festspielen bemängelt und die Verkaufspraxis der heiß begehrten Karten scharf kritisiert. Zu wenige Karten kämen in den freien Verkauf, mehr als 50 Prozent gingen als Kontingente an Reiseveranstalter und an den Förderverein der WagnerFestspiele, kritisierte der Rechnungshof. Oppositionspolitiker hatten im Bundestag darauf die Förderung durch den Bund in Frage gestellt. Dies wäre einer Götterdämmerung für die traditionsreichen Wagner-Festspiele gleichgekommen.

Kartenverkauf

In der vergangenen Woche informierten Vertreter der Festspiele den Kulturauschuss des Bundestages darüber, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die angemahnten Missstände zu beseitigen. Ab sofort seien 67 Prozent aller Karten im freien Verkauf erhältlich, erläuterte Toni Schmid, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung. An Reiseveranstalter gingen keine Karten mehr. Zudem werde ein kaufmännischer Geschäftsführer eingestellt. Georg Freiherr von Waldenfels, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, begründete im Ausschuss die Praxis, dass auch weiterhin ein bestimmtes Kartenkontingent an Förderer der Festspiele gehe. Immerhin brächten die jährlich rund drei Millionen Euro an Spenden auf. Er betonte, dass für diese Karten selbstverständlich gezahlt werde - und dies im höchsten Preissegment. Auch in Zukunft sollen die Kartenpreise auf dem derzeitigen Niveau gehalten werden. Opernkarten in München oder Salzburg seien zwar deutlich teurer, sagte Bayerns Kulturstaatsminister Wolfgang Heubisch. Diese Preispolitik stehe auch in der Tradition von Richard Wagner, der den Zugang zu den Festspielen auch für einkommensschwächere Menschen garantieren wollte. Dessen Urenkelin und künstlerische Geschäftsführerin der Festspiele, Katharina Wagner, informierte über die Vorbereitungen für das große Wagnerjahr 2013 auf dem berühmten "grünen Hügel".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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