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Alexander Weinlein
Wir stehen in Ihrer Schuld

BUNDESWEHR

Es war alles andere als ein Routinetermin für die Mitglieder des Verteidigungsausschusses. In der vergangenen Woche trafen sie sich in Berlin mit Angehörigen von Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan gefallen sind. Und die Parlamentarier bekamen klare Worte zu hören: "Wir wollen, dass das Sterben unserer Söhne aufhört", sagte Klaus-Dieter Diebel, dessen Sohn vor fünf Jahren während seines Einsatzes in Kundus getötet wurde. Die Instrumente friedlicher Konfliktbewältigung müssten ausgebaut werden. Diebel mahnte die Parlamentarier, sich immer genau zu überlegen, ob ein Einsatz der Bundeswehr "ohne Alternative ist". Er wolle nicht, dass die Soldaten für wirtschaftliche Interessen sterben müssten. Ebenso warb Diebel dafür, traumatisierten Soldaten eine angemessene psychologische Behandlung zukommen zu lassen. Dies dürfe nicht an "bürokratischen Spitzfindigkeiten" scheitern.

Begrüßt wurden die Angehörigen von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses, Susanne Kastner (SPD). Den Abgeordneten sei das Treffen "eine echte Herzensangelegenheit", betonte sie. Die Soldaten hätten in ihren Einsätzen die "Welt ein bisschen besser machen wollen" und dafür das höchste und wertvollste Gut geopfert: ihr Leben. Das Parlament stehe in ihrer Schuld. "Wir verneigen uns in Demut", sagte Kastner. Der Tod von Soldaten zeige die "tragische Tragweite", wenn der Bundestag über einen Auslandseinsatz zu entscheiden habe. Sie ermunterte die Angehörigen, sich mit ihren Sorgen und Anregungen an die Parlamentarier und den Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, zu wenden. Auch Lammert betonte die Bedeutung des Bundestages bei der Entsendung von Soldaten. Es gebe wenige Entscheidungen, "die mit einem solchen Ernst getroffen werden", beteuerte er.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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