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Tatjana Heid
Zukunftsthema Fachkräftesicherung

ARBEIT UND SOZIALES

Die Koalition unterschätzt das Problem der Fachkräftesicherung - zumindest nach Auffassung der SPD-Fraktion. Sie hat einen Antrag (17/9725) mit dem Titel "Chancen eröffnen und Fachkräfte sichern" auf den Weg gebracht, der am Donnerstag in erster Lesung beraten wurde. Der Fachkräftebedarf werde zur "zentralen Frage des kommenden Jahrzehnts", betonte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil. Dennoch gebe es keine gemeinsamen Kraftanstrengungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Besonders scharf kritisierte Heil die Maßnahmen der Bundesregierung im Bereich Frauen: Hier gebe es ein großes Potenzial, doch statt Ein- und Aufstieg im Beruf sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, werde das Betreuungsgeld eingeführt. Auch von den Grünen gab es dafür Kritik: Das Betreuungsgeld verbanne Frauen "in ihre vier Wände", monierte Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Statt das Betreuungsgeld einzuführen, müssten die Kita-Plätze ausgebaut werden. Jutta Krellmann, Arbeitsmarktexpertin der Linksfraktion, ging vor allem auf die Geringverdiener ein. Mehr als 900.000 arbeiteten länger als 50 Stunden die Woche. Das sei Ausbeutung, mache krank und führe zu psychischen Belastungen. "Wer über Fachkräftemangel redet, kann das Thema gute Arbeit nicht außen vor lassen", sagte sie.

Dagegen sahen sich Union und FDP auf einem guten Weg. Die Bundesregierung habe sich dem Problem Fachkräftemangel schon lange angenommen, unterstrich Karl Schiewerling (CDU), Sprecher für Arbeit und Soziales der Unionsfraktion. Er verwies auf das Fachkräftekonzept aus dem Jahr 2011. "Zu behaupten, die Koalition würde nichts tun, ist einfach nur abstrus", sagte der FDP-Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel. Die Arbeitslosigkeit sei die niedrigste seit 20 Jahren, Deutschland habe die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa und halte den Rekord bei der Schaffung neuer Stellen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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