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Martin Lassak
Praktikum ohne Regeln

Arbeit Koalition lehnt Gesetzesvorstoß der Opposition ab

Die Opposition ist im Bundestag mit einem Vorstoß gescheitert, neue gesetzliche Regeln für Praktikanten einzuführen. Mit den Stimmen der schwarz-gelben Regierungsmehrheit lehnte das Parlament am vergangenen Donnerstag Anträge der SPD-, der Links- und der Grünen-Fraktion ab, die auf eine Stärkung der Rechte von Praktikanten abzielten.

Die SPD-Fraktion forderte in ihrem Antrag (17/3482), den Begriff Praktikum im Bürgerlichen Gesetzbuch zu definieren und für Praktikanten eine Mindestvergütung von monatlich 350 Euro einzuführen. Die Grünen-Fraktion, die sich in ihrer Vorlage (17/4044) für eine Mindestvergütung von 300 Euro aussprach, plädierte zudem für eine gesetzliche Maximaldauer von sechs Monaten bei Praktika. Die Linke forderte in ihrem Antrag (17/4186) die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von zehn Euro pro Stunde für Praktikanten mit Berufsausbildung ab dem 1. Mai 2013. Die Dauer eines Praktikums sollte dem Antrag zufolge auf drei Monate beschränkt werden.

"Eine gesetzliche Regelung nimmt Freiheit", entgegnete der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Helge Braun (CDU) und verwies darauf, dass "über 80 Prozent der jungen Menschen mit ihrem Praktikum zufrieden" seien. Ein Gesetz würde jungen Menschen die Chance nehmen, "ein Praktikum an einer Stelle zu absolvieren, an die sie sonst nicht kämen." Der FDP-Abgeordnete Martin Neumann betonte, dass die Aussichten für junge Akademiker "rosig" seien. Oft zitierte Praktikumskarrieren wären "verbreitet wie die Juchtenkäfer." Eine Verrechtlichung würde Praktika, die der "i-Punkt einer guten akademischen Ausbildung" seien, nur "unattraktiv" machen.

Missbrauch verhindern

Dagegen mahnte die SPD-Parlamentarierin Katja Mast, man brauche "nicht nur Freiheit für Arbeitgeber, die die prekäre Situation ausnutzen, sondern Gerechtigkeit für junge Berufseinsteiger". Für Die Linke ergänzte Agnes Alpers: "Wer Missbrauch tatsächlich verhindern will, muss gesetzliche Mindeststandards setzten." Eine freiwillige Leistung seitens der Arbeitgeber sei der falsche Weg. Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring sagte, dass Praktika "deutlich von regulären Beschäftigungsverhältnissen abgegrenzt" werden müssten, um eine "Ausnutzung" junger Menschen und "schlechte Praktikabedingungen" zu verhindern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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