Inhalt

VOR 30 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Pfeifen gegen Wettrüsten

9. Juni 1982: Reagan im Bundestag

Die Vorstellung, dass Brad Pitt oder Johnny Depp eine Rede vor dem Bundestag halten, ist ziemlich bizarr. Dennoch wären sie nicht die ersten Hollywood-Stars, denen die Abgeordneten lauschen würden: Am 9. Juni 1982 trat US-Präsident Ronald Reagan ans Bonner Rednerpult. Zu diesem Zeitpunkt hatte der damals 71-Jährige in über 50 Hollywood-Streifen mitgespielt. Einen roten Teppich bekam er jedoch nicht von allen Abgeordneten im Bundestag ausgerollt.

Denn Reagan stand schon zu Beginn seiner Amtszeit 1981 für das Wettrüsten. Er wollte die Rüstungsspirale weiter nach oben schrauben und so die kommunistischen Länder in die Knie zwingen - allen sicherheitspolitischen Bedenken zum Trotz. In seiner Rede vor dem Bundestag, die sich vor allem um den Nato-Doppelbeschluss drehte, sagte er, es sei ihm "unverständlich, warum einige Leute vor den Waffen, deren Aufstellung die Nato plant, größere Angst haben als vor den Waffen, die die Sowjetunion schon stehen hat". Während der Rede hatten einige linksgerichtete Abgeordnete versucht, mit Trillerpfeifen zu stören. Nach der Rede, der SPD-Parteichef Willy Brandt fern blieb, blieben viele Vertreter der SPD demonstrativ sitzen; die Abgeordneten der Union dagegen applaudierten im Stehen.

Fünf Jahre später kehrte Reagan nach Deutschland zurück, dann mit einem filmreifen Auftritt. Vor der Kulisse des Brandenburger Tores forderte der US-Präsident am 12. Juni 1987, zwei Jahre vor dem Fall der Mauer: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" (Reißen Sie diese Mauer ein!) Diese Szene blieb den Deutschen mehr im Gedächtnis, als die Trillerpfeifen im Plenum.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag