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AUFGEKEHRT
Monika Pilath
Bakschisch fürs Spitzenamt

Fangprämien - zugegeben, das Wort klingt schäbig, ein bisschen wie Kopfgeld. Die Extra-Honorare an Ärzte für die Überweisung von Patienten sind auch nicht legal, dafür aber offenbar gang und gäbe. Und sie sind hochwirksam - jedenfalls im Geldbeutel mancher Mediziner. Nach einer neuen Studie soll jedes vierte Krankenhaus ein derartiges Bakschisch zahlen.

Auch in der Politik könnten derzeit manche so ein effektives Mittelchen gebrauchen wie die Fangprämien im Gesundheitswesen. Also zum Beispiel die NRW-CDU, mitgliederstärkster Landesverband der Partei. Der ist gerade mächtig sauer auf die Bundeskanzlerin, weil die seinen Norbert Röttgen eiskalt geschasst hat. Obendrein darf nicht ein CDU-Abgeordneter aus ihren Reihen die Nachfolge von Peter Altmaier als Parlamentarischer Geschäftsführer antreten, sondern ein Niedersachse mit Doppelnamen. Hätten Christdemokraten an Rhein und Ruhr eine Fangprämie, besser eine Auswurfprämie, ausloben können, wäre das möglicherweise nicht passiert.

Aber die Kanzlerin ist dafür vielleicht ohnehin die falsche Adresse - oder ist vorstellbar, dass Angela Merkel empfänglich für irgendwelche Prämien ist? Eben. Allerdings gelten die Reihen der Unions-Führungsreserve inzwischen als so ausgedünnt, dass in der CDU-Spitze bald über neue Formen der Personalgewinnung nachgedacht werden könnte.

Ein Problem, das die SPD nicht hat. Da ginge es eher um Aussteigerprämien, denn gleich drei Herren bewerben sich darum, Merkel 2013 herausfordern zu dürfen. Oder um eine Art Herdprämie, damit die Sozialdemokratin mit den besten Chancen, Hannelore Kraft, den Jungs nicht die Spitzenposition streitig macht.

Ganz prämienfrei bleibt Oskar Lafontaine bei den Linken zu Hause. Dafür wollen jetzt zwei Frauen ran. Ob sie dafür prämiert werden, ist noch nicht entschieden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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